Originaltitel: VICE

USA 2018, 132 min
FSK 12
Verleih: Universum

Genre: Biographie, Tragikomödie

Darsteller: Christian Bale, Amy Adams, Steve Carrell, Sam Rockwell

Regie: Adam McKay

Kinostart: 21.02.19

6 Bewertungen

Vice – Der zweite Mann

Wissen, wie der Hase läuft

In FAHRENHEIT 11/9, Michael Moores aktueller US-Politik-Bestandsaufnahme, fällt an einer Stelle ein entscheidender Satz: „Unser System“, teilt Moore da der Welt mit, „war schon kaputt, bevor Trump auftauchte.“ Was das heißt, illustriert jetzt auch Adam McKays VICE – DER ZWEITE MANN. Ein Spielfilm über das Dickerchen Dick Cheney, einst US-Vize unter Präsident George W. Bush. Wobei das „unter“ so zutreffend ist wie die Rede vom „zweiten Mann.“

Vielleicht erinnern sich manche ja noch an Cheney. Den zu vergessen man schnell geneigt sein könnte, denn eine Ausgeburt an Charisma war der ja nun wahrlich nicht. Und so ein wenig täppisch, gar einfältig wirkt er jetzt auch in diesem Film mitunter. Man lasse sich indes nicht täuschen: Cheney, das ist die vollkommene Mutation des Mittelmaßes zum Machtpolitiker, der in einer Welt des Mittelmaßes die bestmöglichen Trümpfe in der Hand hat. Und das vor allem auch, weil er das grundlegendste Prinzip der Machtpolitik in sich reingefressen hat wie eine Packung Donuts: Hab’ keine Skrupel! Es ist eine Frage der Systemimmanenz.

VICE erzählt vom Aufstieg des Dick Cheney in biographischem Bausch und Bogen. Das heißt, der Film hat Biß, Verve, Wut und will zugleich psychologisch, episch und komplex sein. Aber differenzierte Polemik, ausgewogene Satire funktioniert nicht. Oder nur bedingt, indem man das erzählerische Entweder-Oder als zweigleisiges Erzählen angeht. Mal ausgewogen, dann wieder zuspitzend. Mal komplex, dann wieder polemisch. Mal so und mal so und nie als ein organisches Ganzes. An VICE läßt sich bestens überprüfen, wie das dann aussieht.

Und dennoch oder vielleicht sogar deshalb hat der Film Stärken. Natürlich verdanken die sich maßgeblich einem erstklassigen Schauspielerensemble, das hier mit böser Lust an verschiedenen Beispielen (Cheney, Bush, Rumsfeld, um nur die drei zu nennen) die Mentalstrukturen der Macht exerziert. Und vom Drehbuch dafür einige hinreißende Szenen bekommen hat.

Dem zuzuschauen ist ein Vergnügen. Vorausgesetzt, man verfügt über eine gewisse Neigung zum Zynismus. Hat man indes nur ein Gran zu viel davon, erscheint einem wiederum so mancher Moment in VICE schnell als moralisierendes Betroffenheits-Schinden. Entsprungen einem inszenatorischen Kalkül, das allemal um die manipulative Macht der Bilder weiß. Cheney würde darüber wohl hämisch grinsen. Der wußte halt, wie der Hase läuft. Zweigleisig eben.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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