D 2014, 87 min
FSK 0
Verleih: Film Kino Text

Genre: Dokumentation

Regie: Anna Ditges

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Wem gehört die Stadt?

Von Bürgerwehr und unsinnlichen Prozessen

Das rund vier Hektar große Helios-Gelände ist eine Industriebrache im Kölner Stadtteil Ehrenfeld, auf der sich im Laufe der Jahrzehnte diverse Kleingewerke, Einzelhändler, Künstler, Klubs und Werkstätten angesiedelt haben. Im Jahr 2010 verkünden die Besitzer des Areals, daß hier demnächst eine große Shopping Mall errichtet werden soll, was das Ende für die meisten der bisherigen Nutzungen bedeuten würde. Die Ehrenfelder nehmen diese Pläne jedoch nicht widerspruchslos hin, und so beginnt ein zweijähriges moderiertes Bürgerbeteiligungsverfahren, das Impulse für die weitere Planung und Entwicklung des Geländes geben soll. Dieses Verfahren hat die junge Kölner Filmemacherin Anna Ditges intensiv begleitet. Ihr Film WEM GEHÖRT DIE STADT? ist eine aus insgesamt 180 Stunden Material destillierte Dokumentation eines konkreten politischen Geschehens. Es gelingt ihr das Kunststück, einen solch unsinnlichen Prozeß, wie es Politik oft ist, in Bilder zu übertragen und dadurch anschaulich zu machen. Dabei wird durchaus auch das Mühselige dieses Prozesses sichtbar: das schier endlose Diskutieren, Abstimmen, Taktieren, Verwerfen in zumeist öden Räumlichkeiten. Politik ist nichts für Dünnbrettbohrer.

Ditges interviewt Vertreter der verschiedenen Interessensgruppen. So die Nutzer des Geländes, die Angst um ihren Lebensunterhalt haben, und Ehrenfelder Bürger, die sich auf einmal fragen, wer eigentlich bestimmt, was in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld passiert. Weiterhin Behördenmitarbeiter, welche die Planungsgrundlage für das Gelände ausarbeiten, sowie den Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges und den Investor Paul Bauwens-Adenauer. Ganz unterschiedliche Lebenswelten und Milieus prallen hier aufeinander. Die mitunter recht abgehoben wirkenden Anzugträger, die selbstbewußten, alternativ angehauchten Engagierten, die „kleinen“ Leute, die sich vom Geschehen überrollt fühlen, und die Bürokraten mit ihren exakten Regeln und Vorgaben.

Auch wenn die Sympathien des Films merkbar bei den Menschen liegen, die sich gegen das Vorhaben des Investors sträuben, vermeidet die Filmemacherin eine vereinfachende Polarisierung in eindeutig „gute“ und „böse“ Protagonisten. Sie führt niemanden vor, schaut stattdessen genau hin und fragt gezielt nach. WEM GEHÖRT DIE STADT? ist ein Lehrstück im besten Sinne des Wortes.

[ Dörthe Gromes ]

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