Originaltitel: WHISKY

Uruguay 2004, 94 min
Verleih: Pandora

Genre: Liebe, Komödie

Darsteller: Andrés Pazos, Mirella Pascual, Jorge Bolani

Regie: Juan Pablo Rebella, Pablo Stoll

Kinostart: 05.05.05

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Whisky

Melancholisches aus Uruguay

Wenn Jacobo morgens den Rolladen hoch schiebt und den Eingang zu seiner kleinen Sockenfabrik öffnet, wartet Marta schon. Ein Tag gleicht dem anderen: die knappe und mürrische Begrüßung, dann das Anschalten der Neonröhren im Innern, Marta, die zuerst Tee kocht und ihrem Chef ins Büro bringt, der einsetzende Lärm der Strickmaschinen und ... das Schweigen zwischen zwei Menschen.

Eines Tages bittet Jacobo seine überraschte Mitarbeiterin, für einige Tage zu ihm zu ziehen. Sein Bruder Herman, der im Ausland lebt, hat sich angekündigt, und Marta soll Jacobos Frau mimen. Marta willigt ein, und das verabredete Arrangement scheint zu glücken. Als Herman die beiden aber überredet, ans Meer zu fahren, stellt dieser Ausflug die Gewohnheiten aller Drei in Frage ...

WHISKY ist einerseits eine melancholische Komödie, die Absurdes und Komisches hintergründig und anhand subtiler Bilder erzählt. Die Regisseure Juan Pablo Rebella und Pablo Stoll setzen auf lange, sich wiederholende Einstellungen und den Blick fürs Detail, um Jacobos Welt und Lebensinhalt, die alte und düstere Fabrik, zu beschreiben. Die zeitliche Ausdehnung unbehaglicher Situationen, die von der Kamera beobachtete Sprachlosigkeit und die verhaltene Gestik der Figuren sind Ausdrucksmittel eines sehenswerten Understatements. Die Suche nach Nähe und Intimität läßt die beiden Protagonisten Marta und Jacobo immer wieder in einem Bildausschnitt erscheinen, zueinander finden sie darin nicht. Er ist groß, sie ist klein, das Bild, beschnitten und somit unvollständig, wird nie zum Rahmen für das ungleiche Paar. Mit dem Fortschreiten der Erzählung wird die inhaltliche Distanz zum Genre der Komödie gewichtiger. Jacobo und Marta kommen überein, für ein paar Tage eine Fiktion zu leben, in welche sich auch Herman zunächst einpaßt. Zunehmend aber sehen sich die drei einsamen Charaktere mit der Frage konfrontiert, wieviel ihnen die Lüge, die sie leben, wert ist.

WHISKY ist auch eine Liebesgeschichte, innerhalb derer vor allem die emotionale Tortur der Figur Jacobos Humor und Witz hintertreiben. Wem es gegeben ist, die grauenhafte deutsche Synchronisation der zum Glück sparsamen Dialoge zu ignorieren, der wird das Kino mit einem leisen Bedauern verlassen, weil der Film schon zu Ende ist. Die Geschichte aber wird noch ein wenig bleiben.

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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