Originaltitel: WIND RIVER

USA 2017, 107 min
FSK 16
Verleih: Wild Bunch

Genre: Thriller, Killer

Darsteller: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Julia Jones, Graham Greene

Regie: Taylor Sheridan

Kinostart: 08.02.18

16 Bewertungen

Wind River

Gute, alte Zutaten und ein Versprechen

Ein grausamer Tod ist es, den die 18jährige Natalie sterben mußte. Kilometerweit ist sie mit nackten Füßen durch Wildnis, Schnee und Eiseskälte gehetzt. Und das, obwohl die junge Frau, zumal als indigene Ureinwohnerin, deren Angehörige seit jeher in dieser unwirtlichen Gegend Wyomings leben, doch gewußt haben dürfte, wie gefährlich das ist. Wie die zu hastig eingeatmete Polarluft gleich scharfen Kristallen die Lungenbläschen zum Platzen bringt, und man in Folge an seinem eigenen Blut erstickt.

Kein schöner Anblick also, der sich da dem Wildtierjäger Cory Lambert bietet, als er bei einem Streifzug die Tote am Rand des Wind River Indianer-Reservats findet. Zumal das Mädchen die Tochter eines Freundes ist, und der grausige Fund bei Cory Erinnerungen an ein ganz persönliches Familiendrama, den gewaltsamen Tod der eigenen Tochter, provoziert. Daß wiederum auch Natalie Opfer eines Verbrechens wurde, zeichnet sich schnell ab. Wie auch, daß die zur Aufklärung geschickte FBI-Agentin eher für Verbrecherjagd in urbanen Gefilden geeignet ist.

Taylor Sheridan schrieb die Drehbücher zu SICARIO und HELL OR HIGH WATER, also zu zwei jüngeren Genre-Meisterstücken, die man somit in gewisser Weise auch als ein Versprechen lesen kann. Eins, das Sheridan jetzt mit WIND RIVER, seinem Regiedebüt, dem man das Debüt keine Sekunde anmerkt, mit Bravour einlöst, wenn er Elemente, Figuren und Konstellationen des klassischen Westerns in ein Gegenwartssujet überträgt und dabei ohne großes Getue unter Beweis stellt, wie packend zeitlos kinokompatibel besagte Elemente, Figuren, Konstellationen funktionieren.

Dazu kommt eine Erzählhaltung, in der Lakonie nie Zynismus wird und Moral nie moralisiert. Die die Härte – auch in der Gewaltdarstellung – nie ausblendet, aber eben auch nie spekulativ ins grelle Licht zerrt. Die sich für die Menschen einer Geschichte interessiert, ohne die Lust auf und den Blick für den Spannungsbogen zu verlieren. Einen, der sich in WIND RIVER bis zum hitzigen Finale in eiskalter Landschaft kontinuierlich strafft, und das bis zum Zerreißen, wenn Sheridan am dafür auch dramaturgisch perfekten Ort eine Rückblende plaziert, den Erzählfluß staut, nur um dann alle Schleusen zu öffnen. Insgesamt ist das von einer Souveränität, die der eines Clint Eastwood in besten Zeiten entspricht. Anders formuliert: Auch WIND RIVER ist durchaus ein Versprechen.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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