D 2014, 91 min
FSK 0
Verleih: Weltkino

Genre: Kinderfilm, Abenteuer, Erwachsenwerden

Darsteller: Lorenzo Germeno, Tristan Göbel, Alice Dwyer, Christoph Letkowski, Uwe Ochsenknecht

Regie: André Erkau

Kinostart: 09.04.15

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Winnetous Sohn

... als dann doch nicht so besondere Nachfahrenschaft

Dieser Streifen ist Gewinner der Förderinitiative „Der besondere Kinderfilm.“ Die Förderinitiative „Der besondere Kinderfilm“ ist ein Zusammenschluß der „Filmförderer des Bundes und der Länder, öffentlich-rechtlicher Fernsehsender sowie der Politik und Filmwirtschaft.“ Allesamt angetreten, „anspruchsvolle und originäre Kinderfilme in Deutschland zu fördern.“ So schön, so lobenswert auch, liest es sich in der Projektdarstellung.

Und wie sieht das auf der Leinwand aus? Um es grob geradeheraus zu sagen: im konkreten Fall wie cineastischer Magerquark. Oder anders formuliert: formal wie biederes Fernsehen, inhaltlich brav pädagogisch abgeschmeckt. Anspruchsvoll im Toleranzgebaren und originär im … ja, „originär“ sicher auch irgendwo und irgendwie. Originär deutsch vielleicht.

Der 10jährige Max ist ein kluger, liebenswerter Kerl. Außerdem ist er recht moppelig, trägt Brille und lebt als Scheidungskind mit seiner Mutter in der Platte. Was nichts daran ändert, daß in Max das Herz eines echten Apachen schlägt. Allen äußeren Umständen zum Trotz, ist Max ein Indianer mit Leib und Seele, Federbusch und Tomahawk. Das überzeugt sogar einen garstigen, unnahbaren Außenseiter wie Morton, der, kaum älter als Max, den ganzen Indianerkram als ziemlich kindisch von sich weist. Bis Max sich für diese Rollenausschreibung bewirbt. Die Karl-May-Festspiele suchen einen Kinderdarsteller. Zu besetzen ist: Winnetous Sohn. Und wer anders als Max könnte das sein? Dicker Bauch hin, starke Brille her.

Und recht hat, wer ob dieser Inhaltsangabe sagen würde: „Klingt doch jetzt erst mal gar nicht so schlecht.“ Klingt es nämlich wirklich nicht. Eine Frage nun ist, wann und wo eben diese brauchbare Grundidee die falsche Abzweigung nahm. Hin zu einem Film, dessen Erzählton in jener eben leider nicht untypischen Unentschiedenheit verharrt, ob derer das Erzählen unbeholfen und unausgegoren über die Rumpelpiste standardisierter Dramaturgie holpert.

Geboten wird Scheidungsproblematik samt Mutti mit neuem Freund und Papi als herziger, aber unzuverlässiger Hallodri. Dazu Morton aus dem Reihenhaus des auf lustig getrimmten Biedersinns. Zwischen all dem vergaloppiert sich die Handlung und lahmt gehörig im steten Wechsel zwischen Säusel-Sensibilität und überkandidelt humoristischen Einlagen. Sorry, aber „besonders“ sieht anders aus.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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