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Winter adé

Noch nie zuvor waren Frauen in der DDR derart offen und selbstverständlich vor die Kamera getreten, um von ihren Hoffnungen, Sehnsüchten und Enttäuschungen zu erzählen. Eine Bahnreise führt Helke Misselwitz quer durch die DDR, im letzten Jahr ihres Bestehens: Auf ihrer Fahrt von der Industrie- und Bergarbeiterstadt Zwickau in Sachsen, aus deren Nähe die Regisseurin stammt, in den Norden, bis an die Ostsee, trifft Misselwitz Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Prägung. Einige der Begegnungen sind verabredet, andere ergeben sich aus improvisierten Situationen. Die Landschaften und Architekturen Ostdeutschlands, gefilmt in strengem Schwarzweiß, bilden den Hintergrund. Die Frauen erzählen von ihrem Alltag, ihren Nöten und Hoffnungen: zwei junge Punkerinnen, eine Arbeiterin aus einer Brikettfabrik, eine Berliner Ökonomin oder eine 85-jährige Dame, die gerade ihre diamantene Hochzeit feiert. Ihre unverstellten Aussagen und Beobachtungen fügen sich zu einem vielgestaltigen Kaleidoskop aus Erinnerungen, Sehnsüchten und Enttäuschungen, das Leben und Stimmung in der DDR ein Jahr vor deren Zusammenbruch auf plastische Weise beschreibt. In der DDR gab es bis zum Zeitpunkt der Premiere von Winter adé keinerlei Tradition eines feministischen Ansatzes in der Filmregie. Als Helke Misselwitz auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche im Herbst 1988 Winter adé vorstellte, kam dies einer Sensation gleich.

DDR 1988, 115 min

Genre: Dokumentation

Regie: Helke Misselwitz

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