Originaltitel: YASMIN

GB/D 2004, 87 min
Verleih: Academy Films

Genre: Drama, Liebe, Polit

Darsteller: Archie Panjabi, Renu Setna, Steve Jackson

Regie: Kenny Glenaan

Kinostart: 26.05.05

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Yasmin

Wer ist Osama?

... fragt Yasmin ihre englischen Arbeitskollegen, als sie die Notiz "Yasmin liebt Osama" an ihrem Spind vorfindet. Ihre Frage ist grundehrlich und - zu diesem Zeitpunkt des Films - naiv. Die Immigranten-Tochter hat nichts mit Extremisten am Hut, nicht einmal mit Religion. Daß sie das Kopftuch anlegt, wenn sie abends in ihre Wohnung gegenüber der des Vaters zurückkehrt, ist ihr kleines Zugeständnis an die Familie, die ehrenamtlich die Moschee in der kleinen nordenglischen Gemeinde leitet. Ihr großes Zugeständnis ist es, einen offenbar leicht verwirrten Familienfreund geheiratet zu haben, damit der eine Aufenthaltsgenehmigung erhält. Alles in allem ein ziemlicher Spagat. Aber ihr zu Hause ist England, nicht Pakistan. Trotzdem muß sie erleben, daß ihre Kollegen und selbst ihr Langzeitflirt sie zunehmend in einen Topf mit den Feinden der westlichen Gesellschaft werfen. Und das wiederum bringt sie in ernsten Konflikt mit der Familie. Als auch noch Sondereinsätze ihre Wohnung stürmen und den ihr fremden Mann unter Terrorismusverdacht verhaften, ist es an der Zeit, sich neu zu positionieren.

Der Film beschreibt die Auswirkungen des 11. Septembers und der oft willkürlichen Anti-Terror-Offensiven auf das Leben muslimischer Einwanderer der ersten und zweiten Generation. Das gelingt mittels einer differenzierten und authentischen Milieuschilderung der pakistanischen Nachbarschaft, geschult am schlichten und doch eindringlichen, durchaus auch humorvollen Realismus eines Ken Loach oder Mike Leigh. Das Politische, man möchte schon sagen Modellhafte, ist deutlich, bleibt aber stets in den Alltag der Menschen integriert und somit geerdet.

Während Yasmins Bruder sich, provoziert durch das Vorgehen der Sicherheitskräfte, tatsächlich den Extremisten anschließt und den traditionsverbundenen Vater mit einer humanen Religionsausübung allein läßt, wird Yasmin auf Identifikationssuche geschickt und weckt Hoffnung auf einen versöhnlichen Weg. Besetzt mit dem Shooting-Star Archie Panjabi (KICK IT LIKE BECKHAM) dürfte sie dabei eine starke Identifikationsfigur abgeben.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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