Originaltitel: LOS ABRAZOS ROTOS

Spanien 2009, 128 min
FSK 12
Verleih: Tobis

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Penélope Cruz, Luis Homar, Blanca Portillo

Regie: Pedro Almodóvar

Kinostart: 06.08.09

54 Bewertungen

Zerrissene Umarmungen

Die Liebe, der Tod und die Insel

Und doch: Leidenschaftlich pocht das Herz dieses Films, dabei bemüht sich Pedro Almodóvar gerade zu Beginn um eine gewisse Unterkühlung, um exponiertes „Noir“, um ein nüchternes Gleichgewicht zum späteren Überschwang. Doch das vorerst Wenige muß das schließlich Viele ankündigen, um im Finale – ein klassisches Stilmittel Almodóvars – furios, fast überschlagend zu kulminieren.

Leidenschaftlich ist der Film schon deshalb, weil er von einer zunächst heimlichen und dann so tragisch endenden Liebe eines Mannes zu einer faszinierenden Frau erzählt. Der Mann heißt heute Harry Caine, als er die schöne Lena liebte, hieß er noch Mateo Blanco, und sie spielte die Hauptrolle in seinem Film. Der kam nur zustande, weil Lena liiert war mit dem weitaus älteren Finanzier Ernesto. Die heimliche Beziehung zwischen Mateo und Lena blieb Ernesto nicht verborgen, er ließ sie beschatten und trieb sie mit seiner Eifersucht ins Verderben.

Und so ist ZERRISSENE UMARMUNGEN auch eine Geschichte von Schuld. Was wunderbar paßt, zu diesem einst so aufrührerischen Filmemacher in diesem einst so erzkatholischen Land. Dabei gibt Almodóvar seiner Heimat mit dem Film einiges zurück. Er läßt die Landschaft zum unverzichtbaren Part der Handlung werden, denn ein Großteil dieses magischen Kunststücks darf auf Lanzarote spielen. Lanzarote, jene schwarz-rote Insel, dieser melancholische Ort mit den harten Winden im nördlichen Famara, mit dem mediterranen Duft im Süden, genau dieses Eiland – das wird jeder bestätigen, der diese Insel je „fühlen“ durfte – paßt gut zu impulsivem Liebesglück und herzzerreißender Traurigkeit. Hier wird Lena nicht nur ihr Ende finden (ausgerechnet am Straßenkreuz mit Manriques so vielfältig interpretierbarem Windspiel!), hier wird Mateo erblinden, hier beginnt die Vernarbung eines Herzens, die Metamorphose des Mannes zu Harry Caine.

Es wundert nicht, daß Männer wie Mateo oder Ernesto einer Frau wie Lena verfallen, denn diese wird von der momentan im Zenit spielenden Penélope Cruz in ihrem ganzen Talent gegeben. Die Cruz, sie strahlt, sie leuchtet von der Leinwand, sie nimmt Raum und Zeit in Besitz, wie es momentan keine andere Aktrice vermag. Das weiß Almodóvar, so wirft er schwärmerische, geradezu zärtliche Blicke auf den Gang der Cruz, in ihre tiefen Augen, die alle Emotionen dieser Welt bündeln und schön wie kaum andere weinen können. Zudem hat Almodóvar so ziemlich alles Schrille rausgebürstet (wenn man von dem kurzen Auftauchen der Langnase Rossy de Palma absieht), er gibt sich introspektiv, was sich auch in ganz wunderbaren Zitaten – selbst in denen der eigenen Filme – entlädt, Almodóvar erinnert seiner Helden wie Bergman und Truffaut, schwärmt via Harry für die Glück verströmende Stimme Jeanne Moreaus.

Wie immer erzählt der Spanier in richtigen Kinobildern – perfekt ausgeleuchtet, fantastisch montiert, gerade in den Dialogszenen besteht er auf die fast schon klassischen Kameraschwenks von Gesicht zu Gesicht. Aus diesem fotografischen Stoizismus entsteht ein Sog, dem man sich schwer entziehen kann. All das verflicht Almodóvar mit seinem Faible für die herzblutigste aller Farben – rot sind die Tomaten, die Bluse, die geschminkten Lippen und in der untergehenden Sonne auch die kanarische Erde.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

Lesezeichen:

3 Meinungen zur Rezension oder zum Film

[ 19.08.09, 07:21:01 – Nicole ]
Lieber Michael, aber das ist ja grade das Schlimme - es werden ja sogar Erwartungen erfüllt, die keiner hat oder haben will. Und das macht es leider etwas gefällig.

[ 17.08.09, 22:57:33 – michael eckhardt ]
liebe nicole,
also da muß ich widersprechen :) wenn fast jeder regisseur derartiges zustande brächte, wäre die welt nur noch schön ... im ernst: sicher gab es schon noch bessere filme von almodóvar, und das schrille hatte er ja tatsächlich auch schon in den letzten filmen eher ausgespart. was ich persönlich (auch als großer fan seiner früheren filme) trotzdem gut finde, da er sich eben nicht um erwartungen schert, sich weiterentwickelt und verfeinert ...

[ 16.08.09, 10:27:54 – Nicole ]
Ein guter Film, wirklich - aber eben irgendwie kein Almodovar. Was dem Film fehlt, sind die Ränder der Gesellschaft, die schrillen Protagonisten der liebevoll Blick auf das nicht ganz Normale. "Zerissene Umarmungen " ist ein Film, den vermutlich fast jeder Regisseur hätte machen können. Almodovar sieht man nur in einigen (und dann aber wirklich starken) Bilder. Und bei einigen Sachen (wie die Vater-Sohn Offenbarung) wünscht man sich, er hätte es bei Andeutungen belassen.




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