D 2017, 107 min
FSK 12
Verleih: Farbfilm

Genre: Komödie

Darsteller: Laura Tonke, Marc Hosemann, Christine Schorn, Rolf Becker

Regie: Laura Lackmann

Kinostart: 31.05.18

Noch keine Bewertung

Zwei im falschen Film

Szenen keiner Ehe

Es ist der Zahn der Zeit, der wohl an allem nagt. Aber was heißt hier schon nagen? Regelrecht abgefressen scheint der Lack der Beziehung zwischen Heinz, der verkannten Schauspielerin, die sich als Stimme einer Zeichentrickampel verdingt, und Hans, dem Kopierladenbetreiber, der nur zu gern genau die Basecaps und T-Shirts trägt, die er in seiner Bude auch bedruckt.

Der steinalte 1er-Golf ächzt übers Pflaster, wenn er denn anspringt, dann leiert die zerkratzte DIRTY DANCING-CD immer wieder den einen Song. Im Restaurant bestellt man beim Chinesen stets das Gleiche, die Abende vor der Glotze finden in ausgebeulter Jogginghose und Chipstüte in Greifweite statt, und als ein Ex von Heinz aufschlägt, sich schmierig in Erinnerung bringt, und eine Praktikantin im Kopierladen dem Chef an die Buxe will, sind das letzte Alarmzeichen, daß sich bei dem langgedienten Paar etwas ändern muß!

Dabei hat sich Regisseurin Laura Lackmann, die schon das wunderbare, aber verkannte MÄNGELEXEMPLAR verantwortete, ein tolles Paar erdacht. Keine dieser dauergrinsenden, selbstzufriedenen Vorzeigeheinis, die alles tun, um dem Nachbarn, den Kollegen, ach, an sich allen zu gefallen, Hans und Heinz sind eigen, echte Typen, die ihre Prinzipien haben und damit auch nicht hinterm Berg halten, wozu auch gehört, daß Heinz für sich beansprucht, als mögliche Mutter von Hans’ Kindern nicht in den Allerwertesten gefickt zu werden. Ist eben so! Lackmann fährt einmal mehr einen herrlichen Witz auf, den es braucht, um so frech, so locker und so glaubhaft von Lebenskrisen zu erzählen. Hans’ Vater bringt es auf den Punkt, als er meint, daß er im Kino nicht die gleiche triste Scheiße wie im Leben sehen will. Überspitzt, aber im Kern was dran!

Und deswegen läßt Lackmann die bürgerlichen Träume von Heinz mit dem ausgeprägten Phlegma Hans’ kollidieren und entscheidet sich für eine schöne Versuchsanordnung, in dem sich das Paar noch einmal kennenlernt, Erwartungen werden neu justiert, Glück will nämlich auch erkannt werden, und der häufig gegangene Weg spießiger Verlogenheit ist für dieses schräge Paar eben nicht der Lebensplan.

Gut so! ZWEI IM FALSCHEN FILM zeigt zwei Typen, die sich wunderbar idiotisch benehmen können, die bei schnulzigen Filmen gemeinsam heulen, die sich den ewigen Erwartungen von innen und außen wohltuend verweigern. Marc Hosemann und die immer gute Laura Tonke sind die richtigen Schauspieler dafür, und Christine Schorn zeigt als demenzkranke Mutter in einer kleinen, feinen Rolle, wie wenig es braucht, um groß zu spielen.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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