Label: Intrada Special Collection

Die Mumie / Die Mumie kehrt zurück

Jerry Goldsmith & Alan Silvestri

Der enorme wirtschaftliche Erfolg der Marvel- und DC-Filmreihen inspirierte die Universal Studios 2017 zum Kickoff eines „Dark Universe“, das von Remakes alter Horrorfilme gespeist werden sollte. Erster Beitrag zur finster getauften Reihe war im gleichen Jahr Alex Kurtzmans DIE MUMIE. Die Neuauflage floppte allerdings so kolossal an der Kinokasse, daß der bereits geplante zweite Film, Bill Condons Neuadaption von FRANKENSTEINS BRAUT, vorerst auf Eis gelegt wurde.

Schon einmal, Ende der 90er Jahre, hatte sich Universal seiner Horrorklassiker angenommen und mit Stephen Sommers’ DIE MUMIE und DIE MUMIE KEHRT ZURÜCK zwei respektable Mainstreamadaptionen ins Kino geschnipst. Damals blieb der finanzielle Erfolg nicht aus. Das mag wohl an Sommers’ kenntnisreicher und augenzwinkernder Aktualisierung gelegen haben, die das Genre nicht wie Kurtzman mit einer Kakaphonie an CGI-Effekten erdrosselte. Auch die beiden Komponisten Jerry Goldsmith und Alan Silvestri orientierten sich nicht nur an zeitgenössischen Trends und zwirbelten zwei im besten Sinne altmodische Abenteuerscores. Grund genug für das rührige Label Intrada, die beiden bombastischen Chor-Orchester-Werke als stark erweiterte Doppelalben wieder zu veröffentlichen.

Goldsmith verbreitet gleich im ersten Titel von DIE MUMIE mit einem vor Kraft strotzenden, pentatonischen Bläserthema altägyptisches Kolorit. Dem pompösen Auftakt läßt er im flotten Wechsel sein weiteres thematisches Arsenal in einer Art Präsentationsreigen folgen. Auch Silvestri greift für DIE MUMIE KEHRT ZURÜCK ohne Preludio in die Vollen: Sein gleichsam pentatonisch gesetztes Hauptthema findet allerdings – eingeklemmt in eine fieberhafte Orchesterhatz – kaum Zeit zur Entfaltung.

Auf dem Originalalbum verschwanden auch im weiteren Verlauf Silvestris Themen hinter der Actionlast des Scores. Bisher unveröffentlichte, mysteriöse und sanft tönende Titel entstürmen dem Abenteuerscore und fördern Silvestris emotionale Bandbreite zutage. Auf dem Originalalbum von DIE MUMIE hingegen fehlte mit dem kompletten Mittelteil ein Gros von Goldsmiths Actionmaterial.

In der vollständigen Fassung werden nun nicht nur Variationen bereits eingeführter Themen hörbar, sondern auch völlig eigenständiges, ausgedehntes Material. Beide Werke gewinnen durch die Komplettierung an Kontur und Vielfalt – ein Gewinn für den Hörer.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

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