Label: Watertower Music

Extrem laut und unglaublich nah

Alexandre Desplat

Rejected! Ein bleiernes Wort, das einen für Hollywood spezifischen Vorgang beschreibt: die Ablehnung einer Filmmusik. Häufig geschieht dies nach gescheiterten Testvorführungen, zu einem Zeitpunkt also, an dem alle Gewerke ihre Arbeit beendet haben und lediglich ein anderer Score die Wirkung des Films noch verändern kann. Den meisten Komponisten ist dies widerfahren, auch solchen Größen wie Bernstein, Goldsmith oder Barry. Nun mußte Nico Muhly (DER VORLESER) den Sündenbock reiten. Ihn beerbte der gegenwärtig begehrteste Filmkomponist der Traumfabrik: Alexandre Desplat.

In nur drei Wochen schuf der Franzose 80 Minuten Musik. Und es scheint, als hätte ihn der Zeitdruck nicht seiner Originalität beraubt. Auch wenn der Komponist stellenweise in Kopiermodus verfällt und Motive, Stilistik oder Muster früherer Werke touchiert, gelingt ihm ein beeindruckend autonomer Tonraum für EXTREM LAUT UND UNGLAUBLICH NAH. Intime Klavierfragmente, verhaltene Hornrufe, flüchtige Streicherläufe umfaßt er mit einer fast quälenden Klangschwüle: Reflexionen kindlicher Affekte, gefangen in der bitteren Ernsthaftigkeit der Geschichte.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

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