Harry Potter und die Kammer des Schreckens live in der Arena

John Williams ist ein musikalischer Märchenerzähler. Was dem Komponisten in den 80er Jahren mit E.T. und in den 90ern mit HOOK gelang, glückte ihm erneut in den 2000ern mit HARRY POTTER: Er schrieb sich in die Herzen der jungen Generationen ein. Kaum ein Kind ist in den letzten 40 Jahren aufgewachsen, ohne mit „Over The Moon“, „You Are The Pan“ oder „Hedwig’s Theme“ in Berührung zu kommen. Trotz eines an absoluter Musik geschliffenen Kompositionsstils ist John Williams Teil der Popkultur geworden. Kein Wunder, daß sein Œuvre im Konzertkalender am häufigsten auftaucht.

Nachdem die CineConcerts im letzten Jahr mit HARRY POTTER UND DER STEIN DER WEISEN in der Arena Leipzig gastierten, wird die Reihe am 19. Januar mit HARRY POTTER UND DIE KAMMER DES SCHRECKENS, dem zweiten Teil der Heptalogie, fortgesetzt. Im Unterschied zu den gängigen Konzertformaten folgt die Serie dem Stummfilmprinzip und läßt ein Orchester live zur Filmprojektion spielen – mit dem kleinen, aber bezeichnenden Unterschied, daß Dialoge und Soundeffekte von der Tonspur abgespielt werden und mit der Live-Musik in Konkurrenz treten. Ein akustischer Balance-Akt, der den Fokus fast immer zugunsten der Musik verschiebt. Für Filmmusikliebhaber ein echter Gewinn, kommen die Kompositionen doch im Gegensatz zum CD-Album ungekürzt zu Gehör.

Mit DIE KAMMER DES SCHRECKENS erweitert Williams das von ihm für den Film-erstling bereits themenreich ausgestaltete Potterversum noch einmal beträchtlich. Dem Phoenix Fawkes etwa stellt er ein betörendes Streicherthema zur Seite, das sich zweiteilig auffaltet, zuerst majestätisch, im B-Teil dann in nervösen Sechzehntel-Läufen. Dem Musikkatalog skurriler und wundersamer Charakterbeschreibungen fügt Williams zwei originelle Themen hinzu: eine Unisono-Burleske für den von Kenneth Brannagh vorzüglich selbstverliebt gespielten Gilderoy Lockhart und eine gebrochene Oboenklage für den Hauself Dobby.

Bis zum Filmfinale, das erneut in Hogwarts’ Katakomben hinabführt und mit einer fulminanten Chor-Orchester-Detonation befeuert wird, manövriert Williams seine Komposition noch durch thematisch und kontrapunktisch vielfältig aufwallende, mystische und finster brodelnde Passagen. Eine meisterliche Partitur, deren Komplexität und leitmotivische Schönheit nachgerade in ihrer vollständigen Aufführung hörbar wird.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

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