Originaltitel: A CURE FOR WELLNESS

USA/D 2017, 146 min
FSK 16
Verleih: Fox

Genre: Thriller, Horror

Darsteller: Dane DeHaan, Mia Goth, Jason Isaacs, Celia Imrie

Regie: Gore Verbinski

Kinostart: 23.02.17

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A Cure For Wellness

Verbinski hat seine Bilder (zu) lieb

Nebulöse Briefe führten schon oft zu im besten Sinne schrecklichen Filmsujets; RING-Regisseur Gore Verbinski nutzt beginnend gleichfalls ein Verständnislosigkeit hervorrufendes Schreiben – indes natürlich erst, nachdem sich ein allein zu jenem Zweck auftauchender Mensch wörtlich totschuftete. Dergestalt mahnt unverhohlene Kritik am modernen Hamsterrad, außerdem rückt erstmals Wasser in den Fokus. Viel davon wird folgen. Sehr viel. Und Verbinski gefällt es aus ungeklärter Ursache (Phobie vielleicht?), normale Aale zu horriblem Gezücht hochzustilisieren. Doch halt, wir sind bereits straffen Schrittes über Los gegangen, alles zurück auf Anfang!

Ersetzbarer Mitarbeiter verschieden, extrem prominenter Vorstandsvorsitzender verfaßte Nachricht. Darin: die Weigerung, das zwecks Regeneration aufgesuchte Schweizer Sanatorium Schrägstrich Wellness-Center zu verlassen. Geht nicht, weswegen die Chefetage Druck auf den ehrgeizigen Kollegen Lockhart ausübt und Rückholung des Abtrünnigen anordnet. Verbal durch 30-Zentimeter-Schwänze bedroht, reist der junge Mann zum Spa und taucht dort erwartungsgemäß in eine eigene, seltsame Welt. Hier regieren erst engelsgleiche, dann garstig regelwütige, gefroren grinsende – ergo vermutlich total wahnsinnige – Krankenschwestern, verdächtig bemühte Ärzte und Pfleger, denen gern Zweideutigkeiten entweichen: „Ich habe Sie auf der Liste!“ Effekte und Nebenwirkungen: wunderbar altmodisch anmutender Grusel, schleichend wachsender Wille zum eigenen Auflösen des Mysteriums, dabei wenig behagliches Grummeln in Kopf und Bauch, weich gebettet auf melancholischen Klangteppichen, deren hinterlistig druntergekehrte akustische Widerhaken memorable Trommelfellbohrungen leisten. Dazu die teils teuflisch verwinkelte, teils erschlagend weitläufige, überall abweisend sterile und außerdem genial ausgestattete Location, fertig ist eine angespannt-prickelnde Atmosphäre. Deren Magie allerdings welkt, wenn man sich sattgesehen hat, Handlungsfortschritte wünscht.

Selbige kann Verbinski nur in eingeschränktem Maße bieten, bleibt (fast hilflos) bei seinen tollen Bildkompositionen, zieht sie lang und länger. Nehmen wir beispielsweise den Ausflug ins Dorf – zunächst braucht Lockhart halbe Ewigkeiten herauszufinden, daß die Straße rauf „so was ähnliches wie ein Arzt“ wohnt, welchen es anschließend zu befragen gilt. Ausbeute daraus: eine tatsächlich interessante Information. Echtzeitaufwand für den Zuschauer gesamt: was zwischen fünf und zehn Minuten. Solche Umständlichkeit lahm zu finden, hat weder was mit allgegenwärtiger Hektik, verkürzter Aufmerksamkeitsspanne oder zutiefst verdorbenen Sehgewohnheiten zu tun, sondern ist einfach ungelenkem Erzählstil geschuldet, dem inszenatorischen Äquivalent zu Kommunikation um des reinen Redens willen.

Klar, Style-Over-Substance-Ausrutscher können jeden Regisseur treffen, wieso Verbinski darüber hinaus meinte, man müsse Lockhearts zwischendrin immer wieder reichlich träger Enthüllung zwar grausiger, aber auch nicht unmäßig komplexer Vorgänge zweieinhalb Stunden folgen, bleibt trotzdem ein Enigma. Zumal drin verborgen ein richtig starker 90-Minüter steckt. Ebenso rätselhaft: Wieso kippt eine herrlich unangenehme Pointe schließlich noch, indem ihr die Geschichte einen völlig überflüssigen – weil 08/15-ausgelutschten bis schlicht dummen – Appendix anpappt?!

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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