Originaltitel: HAMNET
GB 2025, 125 min
Verleih: Universal
Genre: Drama, Biographie, Literaturverfilmung
Darsteller: Paul Mescal, Jessie Buckley, Emily Watson
Regie: Chloé Zhao
Kinostart: 22.01.26
Chloé Zhaos Karriere hatte einen Knick erlitten. Nach ihren gefeierten Anfängen als Independent-Regisseurin und dem OSCAR-Abräumer NOMADLAND folgte der Superhelden-Blockbuster ETERNALS, der zu Recht viel Spott erntete. Nach HAMNET scheint diese Pleite jedoch schnell wieder vergessen zu sein. Rehabilitation geglückt! Wenige Filme wurden im Festivalherbst 2025 so euphorisch gefeiert. Ein Publikumshit scheint sich abzuzeichnen, was nicht zuletzt an Zhaos Talent liegen dürfte, Menschen auf der ganzen Welt zum Weinen zu bringen.
Ihre Romanverfilmung erzählt von fiktionalisierten, schicksalhaften Tagen im Leben von William Shakespeare und seiner Frau Agnes. Ihr mühsam erkämpftes Familienglück wird vom Tod ihres Kindes überschattet. Während Agnes zu Hause damit fertigwerden muß, zieht sich ihr Mann in die Arbeit zurück. Williams Trauer wird das Schreiben seines Stückes „Hamlet“ prägen. Es ist ein archetypischer Stoff im historischen und naturverbundenen Gewand, den Zhao damit erzählt. Wahrscheinlich trifft der Film auch deshalb einen solchen Nerv. Es geht um Generationenkonflikte, das Aufbegehren gegen die Sitten der Älteren, Geschlechterfragen in einer Familie. Es geht um die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf und natürlich um den Schock des Kreislaufes von Leben und Sterben, um Trauer, die kein Ende finden will. Genauso stockend und zermürbend sucht der Film nach einer Katharsis und beobachtet vor allem, wie Jessie Buckley und Paul Mescal einen emotionalen Kraftakt nach dem anderen hinlegen.
Das ist schauspielerisch beeindruckend, wenngleich repetitiv. Einen faden Beigeschmack hinterläßt das Projekt dennoch. Schließlich läuft es vor allem darauf hinaus, das engstirnige Übel der rein autobiographischen Deutung von Kunst zu reaktivieren – hier am Beispiel „Hamlet.“ Insofern lädt Zhaos Regiearbeit abseits der Gefühlsüberwältigung mit Max-Richter-Musik zweifellos zur Diskussion ein. Gerade, weil sie einen so suggestiv mit all den beeindruckenden Schauwerten in den Bann zieht! HAMNET strotzt nur so vor sinnlichen, atmosphärischen Bildern. Gerade die Theatersequenz ist packend inszeniert. Ergriffenheit vor und hinter den Kulissen provoziert darin einen Austausch zwischen Menschen. Erfahrungswelten treffen sich in geteilten Affekten der Kunst und fallen doch wieder auseinander.
[ Janick Nolting ]