D 2010, 103 min
Verleih: Missing Films

Genre: Drama

Darsteller: Maryam Zaree, Tilla Kratochwil, Lukas Steltner

Stab:
Regie: Verena S. Freytag
Drehbuch: Verena S. Freytag

Kinostart: 22.09.11

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Abgebrannt

Eine gute Mutter – was ist das eigentlich?

Pelin, eine alleinerziehende Berliner Göre mit drei Kindern, türkischem Hintergrund und einem ganzen Sack Probleme, gerät unfreiwillig in eine Mutter-Kind-Kur an der Ostsee und trifft dabei auf die wohlorganisierte, aber denkbar uncoole Provinzmama Christa, die alle Hemden auf Kante legt und ein Glitzern in den Augen kriegt, wenn sie Pelins chaotisches Leben betrachtet. Sie wittert ein Opfer und hofft auf jemanden, der sein Leben nicht – oder zumindest weniger als sie selbst – in den Griff kriegt.

Es ist von Anfang an keine Frage, auf wessen Seite die Sympathien der Regisseurin Verena S. Freytag liegen. Sie zeichnet Pelin als Mutter, die versucht, den schwierigen Alltag einer jungen Alleinerziehenden an der Armutsgrenze zu meistern, ohne sich dabei selbst zu verleugnen. Und sie zeigt, daß dieser Balanceakt Pelin keineswegs immer gelingt. Aber sie kämpft – mit sich selbst und ihrer Umwelt, die allzu schnell bereit ist, ihr die Klischeevorstellung der feierfreudigen Rabenmutter überzustülpen, die ihre Kinder vernachlässigt und nur auf ihr eigenes Vergnügen aus ist.

Die komplexe Charakter-Zeichnung und vor allem die differenzierte und unaufgeregte Darstellung Maryam Zarees sorgen dafür, daß sich das Klischee und die Kämpferin immer die Waage halten. Pelin weigert sich schlicht und einfach, ganz in der Mutterrolle aufzugehen. Ganz anders sieht das bei Christa aus, deren Person leider deutlich eindimensionaler gezeichnet ist, und die als überkorrekte Märtyrer-Mama die Frage danach, wo sie selbst in ihrem Leben eigentlich bleibt, schon gar nicht mehr stellt.

Leider traut sich Freytag nicht, ganz auf die Charakterstudie dieser ungleichen Mütter zu setzen, und vertut damit die Chance, nicht nur die Extreme, sondern auch die Grauzonen der Frage auszuloten, was das eigentlich sein könnte: eine gute Mutter. Stattdessen verpaßt die Regisseurin der Geschichte einen gewollt dramatischen Spannungsbogen, an dessen Ende ein verpatzter Drogenschmuggel, eine ungewollte Schwangerschaft und ein Wutausbruch von Pelins gewalttätigem Geliebten stehen. Hier gerät ABGEBRANNT dann ungewollt in die Nähe einer drittklassigen Vorabend-Soap, es fehlt am Mut, sich von herkömmlichen Storylines zu entfernen. Das ist sehr schade, besonders nach dem vielversprechenden Anfang.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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