D 2007, 90 min
Verleih: It Works!

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Milan Peschel, Eberhard Kirchberg, Marie Gruber, Simone Frost

Stab:
Regie: Pepe Planitzer
Drehbuch: Pepe Planitzer

Kinostart: 11.09.08

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AlleAlle

... klatschen für Milan Peschel

Da haben sich zwei gefunden: Der geistig behinderte Hagen, eigentlich auf der Fahrt zum Onkel, schiebt das kaputte Auto von Domühl, einem abgebrannten Alkoholiker, an. Die unbefohlene Abschleppaktion bringt den einen Gesellschaftsaußenseiter in das Reich des anderen, denn Hagen ist kräftig und schiebt Domühls olle Karre bis vor dessen Haustür.

Diese Anfangssequenz ist so komisch, daß man erstmal überlegen muß, wann man in einem deutschen Film zuletzt von Beginn an so gelacht hat. Milan Peschel als Domühl brabbelt in unnachahmlicher Art und dicker Berliner Schnauze vor sich hin, während der einfältige Riese Hagen in schnaufender Hingabe den Pannenwagen schiebt. Schlicht, aber genial.

Und da man so einen aufopferungsvollen Kraftmeier eigentlich öfter gut gebrauchen kann, behält ihn Domühl erst einmal bei sich in der Miefbude im brandenburgischen Nirgendwo. Über ihm ist gerade Ina eingezogen, frisch aus dem Knast. Domühl hat auf die reifere Dame ein Auge geworfen, doch als versoffener, bankrotter Gerüstbauer sehen seine Chancen bei der toughen Ina zunächst schlecht aus. Auch das Leben mit einem Behinderten hat er sich anders beziehungsweise gar nicht vorgestellt. Hagen fällt ihm bald zur Last, und er würde den nur in einzelnen Kinderausdrücken kommunizierenden neuen Mitbewohner gern bald wieder los sein. Doch sowohl mit Ina als auch mit Hagen lernt Domühl bald geschickter umzugehen. Als sie endlich als Trio Infernale zusammengefunden haben, kommen allerdings die Probleme von außen ...

Pepe Planitzers gelungenes Außenseitermärchen steht und fällt mit Milan Peschels grandiosem Spiel, wenn auch die anderen Darsteller fast alle ihre Arbeit gut machen. Er schafft es, als Domühl famos zu unterhalten und zugleich durchgängig zu berühren. Eberhard Kirchberg als Hagen bietet genau so viel reduziertes Schauspiel, daß er die perfekte Reflexionsfigur für das Männlein mit den großen Augen hergibt. Dieses ulkig-tragische Duo verhindert auch den Absturz des Films im letzten Viertel, wenn die Tristesse des "AlleAlle" (im Sinne von "Nichts mehr da") vom Drehbuch etwas forciert wird und dann das Ende zu drangepappt daherkommt. Es überwiegt, wie auch bei der Hauptfigur, das Schöne im Häßlichen.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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