Originaltitel: V SUBBOTU

Rußland/D/Rumänien 2011, 99 min
Verleih: NFP

Genre: Drama

Darsteller: Anton Shagin, Stanislav Rjadinskij, Svetlana Smirnova-Marcinkevich, Vasilij Guyov

Regie: Alexander Mindadze

Kinostart: 12.05.11

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An einem Samstag

Manifest des Wahnsinns als Feier des Lebens

Alexander Mindadze konnte nicht ahnen, daß sein Berlinale-Wettbewerbsbeitrag nach dem Tsunami in Japan einen so aktuellen Bezug haben würde. Und wie sich die aktuellen Fernsehbilder von lachenden Menschen mit seinen Filmsequenzen montieren lassen würden, zu einer Collage, die den besinnungslosen Tanz im Angesicht tödlicher Gefahr, den Mindadze als lebenstolle Farce inszeniert, noch manifestieren würde. Ein Manifest des Wahnsinns. Und gleichzeitig eine Feier des Lebens. Mindadze geht zurück zu jenem ersten warmen Samstag 1986, als in Tschernobyl bereits ein Reaktor brannte, von einem Super-GAU jedoch keine Rede war. Erst 36 Stunden später hatte man überhaupt begonnen, die Bewohner der Kernkraftwerkssiedlung Pripjat zu evakuieren, erst am 28. April meldete die russische Nachrichtenagentur TASS, daß es in Tschernobyl einen Unfall gegeben habe.

Der Parteileiter Valerij Kabysh, kraftvoll gespielt von Anton Shagin, erfährt durch Zufall von der Katastrophe. Er versucht, die Frau, die ihm am wichtigsten ist, seine ehemalige Bandkollegin Vera, zur Flucht aus der Stadt zu bewegen. Ein banaler abgebrochener Absatz Veras roten Schuhs verhindert den Plan, und die nackten Füße tragen das Paar in einen Schuhladen, der gerade neuen rumänischen Import bekommen hat. Von dort treibt es die beiden weiter zu gleich drei Hochzeiten und vielen tanzenden Füßen in knalligen Pumps. Valerij trifft seine alte Band wieder, das Schlagzeug zieht ihn wieder in den Bann, und der Tanz, der eigentlich schon seit einigen Stunden an diesem Ort zu Ende ist, sein sollte, geht weiter.

Die Wissenden und die Unwissenden drehen sich im Kreis. Schweiß und glasige Blicke, klammernde Umarmungen und der Griff einer schwangeren Braut an ihren Bauch geraten zu verzweifelten Endzeitgesten. Denn das, was nicht sichtbar ist, wissen wir, und die Regie kalkuliert dies klug ein – die Medienberichte kleben im Kopf angesichts der taumelnden, trunkenen Menge. Die Kamera taumelt mit, von Ort zu Ort der Geschichte, das Licht wechselt, die Stimmungen, man meint, ein Strahlen zu sehen am Himmel. Das Gras ist wunderbar grün. Ein Paar schafft den Sprung auf den Zug raus aus der Stadt. Nicht Vera und Valerij.

Es ist kein Katastrophenfilm, den Mindadze präsentiert, es ist ein ekstatisches Sinnbild, eine, wie er selbst sagt, „filmische Metapher“ über Tschernobyl. Aber eigentlich mehr: Das Boot, in dem wir alle sitzen, treibt mit Valerij und seiner Band auf den Kern der Katastrophe zu.

[ Susanne Schulz ]

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