Originaltitel: ANGÈLE ET TONY

F 2010, 87 min
FSK 6
Verleih: Kool

Genre: Liebe, Drama

Darsteller: Clotilde Hesme, Grégory Gadebois, Evelyne Didi, Jérôme Huguet, Antoine Couleau

Stab:
Regie: Alix Delaporte
Drehbuch: Alix Delaporte

Kinostart: 04.08.11

2 Bewertungen

Angèle und Tony

Auf zu neuen Häfen!

Das Kunststück, aus ein paar Puzzleteilen ein komplexes Bild entstehen zu lassen, gehört zum Standardrepertoire der Kinomagie. Daß es auch mit zwei kantigen Eckstücken funktioniert, eines herausgerissen aus einer großstädtischen Ansicht, das andere vorgesehen für einen blaugrauen Streifen Meer, bezweifeln sogar sie selbst. Aber wer läßt sich schon vom Kaninchen erklären, wie es in den Hut des Zauberers kommt … Fragen wir lieber Alix Delaporte, die nach Kurzfilmen, Foto- und Fernsehreportagen hier ein umwerfendes Spielfilmdebüt vorlegt. Zum Beispiel, wie sie zu jener verschwiegenen, spröden Liebesgeschichte fand, die andere wortreich ausgeplaudert hätten?

Wenn Reden Silber ist, dann arbeitet Delaporte in Gold. Das mag am speziellen Klima der französischen Nordwestküste liegen, sicher auch an der Rauheit der Lebenswelten, mehr aber noch an den beiden maulfaulen, nie ganz auszurechnenden Charakteren, die hier aufeinandertreffen. Angèle, auch in ewig gleicher Lederjacke und abgetragenen Stiefeln eine schöne Frau, radelt auf einem geklauten Fahrrad zum ersten Treffen mit Tony. Der untersetzte, in jeder Hinsicht lebenstüchtige Fischer hat sich auf ihre Annonce gemeldet. Zunächst abgestoßen von Angèles sexueller Zielstrebigkeit, irritiert ihn noch mehr, daß sie trotz deutlicher Zurückweisung nicht mehr von seiner Seite weicht, sich schließlich sogar in seinem Haus einnistet und mit seiner mißtrauischen Mutter am Hafen Fische ausnimmt.

„Siehst Du Dich mit mir?“, wendet sich Tony gleich zu Beginn ungläubig an die Fremde, die da hartnäckig um seine Zuneigung buhlt. Tatsächlich kann man sich bis zuletzt nicht ganz sicher sein, ob dieses Paar stimmt. Angèles Ruhelosigkeit, ihre Knastvergangenheit, ihr bei den Großeltern verwahrter, lange verheimlichter Sohn Yohan – alles spricht dagegen. Sogar die Kamera faßt nur vorsichtig Vertrauen, bleibt forschend auf Angèles Gesicht gerichtet, registriert ihren fliehenden Blick und die zappeligen Beine, schwenkt in ungemütliche Behördengänge und Hafenszenerien, durch die immer ein markanter Geruch aus Motoröl und kaltem Zigarettenrauch weht. Ein etwas zugiger Ort, zugegeben. Aber doch auch eine glaubwürdige Filmheimat für zwei Menschen, die man durch die Leinwand greifen zu können meint.

[ Sylvia Görke ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.