Originaltitel: ANOTHER DAY, ANOTHER TIME: CELEBRATING THE MUSIC OF INSIDE LLEWYN DAVIS

USA 2013, 100 min
FSK 0
Verleih: StudioCanal

Genre: Dokumentation, Musik

Regie: Christopher Wilcha

Kinostart: 03.04.14

2 Bewertungen

Another Day, Another Time

Ein Folk-Familientreffen

Irgendwie hat es etwas Wunderbares mit dieser Musik auf sich: Sie gedeiht in ihrer spröden Schönheit seit je gern im Abseits. Das aber mit einer Kontinuität, die durch nichts anfechtbar scheint. Inmitten der sich zunehmend auftürmenden akustischen Müllhalden des Pop markiert Folk, in all der Verschiedenheit, die ihm eigen ist, gleichmütig seinen Außenseiterstatus. Der sich darüber höchstens noch mit einer Prise Stolz auf selbigen würzen mag. Einen Stolz, der immer etwas einnehmend Selbstironisches hat.

Wie jetzt auch ANOTHER DAY, ANOTHER TIME zeigt. Eine Dokumentation, die ohne Off-Stimme jenen Abend im September 2013 beobachtet, als sich eine illustre Runde an Musikern in der mit Aura gesättigten New Yorker Town Hall versammelte, um dort so entspannt wie konzentriert und unter väterlicher Ägide von Mastermind T-Bone Burnett mit einem Konzert dieser Musik zu huldigen, der kurz zuvor die Coen-Brüder in ihrem Kinokleinod INSIDE LLEWYN DAVIS schon auf ihre sehr spezielle Art Referenz erwiesen. Joel und Ethan Coen sind dann auch in ANOTHER DAY, ANOTHER TIME gelegentlich zu sehen. Bei den Proben zum Konzert stehen sie im Hintergrund, wie zwei bescheidene, gute Geister, immer nah beieinander, still und oft lächelnd das Geschehen verfolgend. Allein das macht diese Doku reizvoll: die wie nebenher, wie aus den Augenwinkeln gezeichnete Porträt-Skizze dieser beiden Ausnahme-Filmemacher. Das extrem Symbiotische, das die Brüder zu verbinden scheint, schwingt dabei sogar in den kurzen Momenten mit, die sie hier im Bild sind.

Aber natürlich gehört dieser Film den Musikern. Den Unbekannten, den Stars, den Legenden. The Milk Carton Kids erscheinen da neben Jack White, die großartige Rhiannon Giddens gibt sich ein Stelldichein mit den Punch Brothers, Patti Smith zeigt sich immer noch als ein schüchternes Mädchen, das jegliche Schüchternheit verliert, sobald sie zu singen beginnt. Dave Rawlings grinst unterm weißen Stetson hervor, und überhaupt hat das insgesamt alles etwas freundlich Grinsendes, mit diesem Wir-machen-einfach-unser-Ding-Touch.

Lediglich Joan Baez strahlt partiell wieder mal so viel Bürgerrechtskämpferinnen-Würde aus, diese etwas spaßbremsende Attitüde an liberaler Lehrerinnenhaftigkeit, ob derer man fast annehmen kann, das Llewyn-Davis-Darsteller Oscar Isaac deshalb so (sympathisch) nervös wirkt bei seinem Auftritt.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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