Österreich 2003, 90 min
Verleih: Kinemathek

Genre: Drama

Darsteller: Liese Lyon, Manfred Stella, Mira Miljkovic, Igor Bararon

Stab:
Regie: Nina Kusturica
Drehbuch: Barbara Albert

Kinostart: 07.10.04

1 Bewertung

Auswege

Drei Frauen in der Ehehölle

Claudia ist eben mal wieder bemüht, sich weiterzubilden. Gatte Werner hat dafür nur Hohn übrig und flippt nicht zum ersten Mal aus. Folge: Claudia steht kurz darauf nackt auf dem Balkon. Werner räumt endlich auf polizeiliche Anordnung die Wohnung, um bald reumütig zurückzukehren. Seine Frau gibt ihm wirklich eine zweite Chance Atanarjuat was für sie katastrophal enden wird.

Derweil bereitet Margit ihrem gestreßten Ehemann das Abendbrot. Schweigend erträgt sie jede fiese Bemerkung, entschuldigt sich permanent und ißt nichts. Kein Hunger. Später beobachten wir, wie sie im Karaoke-Club ein sehnsüchtiges Lied singt, auf der Hochzeit des einzigen Sohnes sogar etwas Spaß hat. Allerdings nur, bis ihr Mann sie öffentlich demütigt.

Schließlich treffen wir noch auf Sladjana, ein zartes Wesen mit flackerndem Blick und blutig geprügeltem Mund, welche Zuflucht im Frauenhaus sucht. Die Eifersucht ihres Gatten Dragan machte selbst vor dem Gynäkologen nicht halt, ausbaden mußte sie es in Form brutaler Attacken. Vorerst zwar sicher, erfährt Sladjana jedoch, daß Dragan die gemeinsamen Kinder an einen unbekannten Ort gebracht hat.

Nun stellt häusliche Gewalt aufgrund der Gefahr, in gigantischen Gut-Böse-Schemata zu kategorisieren, ein unverändert recht diffiziles Thema dar, gerade für ein Filmdebüt. Nina Kusturica gelingt es aber trotzdem, bravourös drei individuelle Realitäten abzubilden: Hilflosigkeit, Unsicherheit, ein Rest von Liebe, Rücksichtnahme auf und Kampf um die Kinder, Angst, erwachende Stärke ...

Immer neue Facetten treten hervor, weinerliches Pathos hat dagegen zum Glück keinen Platz. Stark auch die Darsteller – hier agieren echte Menschen mit Ecken und Kanten, Augenringen und verschmiertem Make-up. Ein Film, der betroffen und wütend macht, ohne in Mitleid zu ertrinken oder ungeachtet klarer Aussage polemische Agitation zu betreiben; darum geht’s einfach nicht. Viel symptomatischer die Rechtfertigung einer vom schlechten Gewissen geplagten Freundin Margits: "Du hast nie was gesagt!". Wenn zukünftig mehr gesprochen und vor allen Dingen hingesehen würde, hätte Kusturica ihr Ziel erreicht.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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