Originaltitel: L’AUTRE

F/Ägypten 1999, 101 min
Verleih: Kool

Genre: Romantik, Polit, Schräg

Darsteller: Nabila Ebeid, Mahmoud Hemeida, Hanan Tork

Regie: Youssef Chahine

Kinostart: 08.02.01

1 Bewertung

Der Andere – L’autre

Grell-romantische Globalisierungsoperette

Gewöhnlich überläßt man die Verbindung von Kunst und gnadenlos schlechtem Geschmack gern jungen Kinorebellen. Von gestandenen Regie-Veteranen, zu denen Youssef Chahine mit seinen über siebzig Jahren und mehr als dreißig Filmen zweifellos gehört, erwartet man eher Gesetzteres. Doch unbekümmert knallt dieser einen herrlich fett aufgetragenen Schmachtfetzen über Liebe, Terrorismus und Machtkonstellationen einer neuen arabischen Welt auf die Leinwand, kleistert mit bunten Farben und spielt mit Banalität.

Im Mittelpunkt der haarsträubenden aber dennoch konsequent zu Ende gedachten Fabel stehen Adam und Hanan: Er studiert in den USA und besucht die Eltern in Kairo. Sie ist eine aus bescheidenen Verhältnissen stammende Journalistin. In der Flughafenhalle treffen sich ihre Blicke, und wenige Einstellungen später feiern sie Hochzeit in der Wüste. Sirupartig ergießt sich ein Schwall klebrig-süßer Musik über die Szene - man hört etwas von Paradies, Sehnsucht und diesen Dingen.

Doch wie es sich für ein richtiges Melodram gehört, legt Chahine seinem Bilderbuchpärchen ordentlich Steine in den Weg, hier in Gestalt der überaus besitzergreifenden Mutter Adams. Um die superreiche Lady, die aus der sonst beargwöhnten Globalisierung per Steuer- und Spendenschwindel gehörig Kapital zu schlagen weiß, entspinnt sich eine üble Räuberpistole. Denn Frau Mama schmiedet eine gefährliche Allianz mit Hanans Bruder, einem skrupellosen islamischen Terroristen, um sich der ungeliebten Schwiegertochter zu entledigen.

In diesem Kampf hat Chahine die Waffen denkbar ungerecht verteilt. Mit ausgeklügelten Datenbanken und regem E-Mail-Verkehr gibt er dem Bösen die segensreichen Errungenschaften der technisierten Welt in die Hand, steigert sie bis ins Surreale: Über dem Wüstensand erscheinen hochmoderne Gebäude wie eine Fata Morgana, Terror und Wirtschaftsmacht treffen sich im Pariser Eiffelturm. Gerade hier wird Chahines besondere Art bissiger Ironie greifbar. Etwas wehmütig, aber dennoch Hände reibend bereitet er den blutigen Showdown vor, der dann doch wieder nur im simplen Kugelhagel stattfindet.

[ Sylvia Görke ]

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