Originaltitel: LE FATE IGNORANTI

I/F 2000, 105 min
Verleih: Alamode

Genre: Liebe, Schwul-Lesbisch, Schicksal

Darsteller: Margherita Buy, Stefano Accorsi, Serra Yilmaz

Regie: Ferzan Ozpetek

Kinostart: 24.01.02

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Die Ahnungslosen

Narkotisierender Reigen über die Dinge des Lebens

Man muß sich das mal vorstellen: Mann und Frau. Da schweißt einen das Leben mit jemandem, den man immer als ganz besonders sah, fest zusammen, steht man gemeinsam schwarze Wolkenfronten und Honigzeiten durch, und dann kommt der geliebte Partner bei einem dämlichen Autounfall ums Leben. Doch damit nicht genug: Frau findet zufällig heraus, daß das Geheimnis ihres Göttergatten profund und ziemlich schräg ist: denn der Gute hatte einen Liebhaber ...

Aha! Seifenoper schreit entlarvend die Fratze des Kenners. JA! und doch völlig falsch getippt. Denn Ferzan Ozpetek spielt vielleicht mit dem affektierten Gestus der Kitschfilmchen, aber ist doch ein Meister im seriösen Fabulieren, Beobachten und haargenauen Zeichnen großartiger Figuren. Er nutzt diese etwas ausgelutschte TV-Plotterie und holt aus zu einem Meisterwerk der stillen Nuancen, der schrägen Frechheiten, zu einer stilsicheren Ode an das hypnotische Panoptikum Leben. Antonia will den geheimen Liebhaber ihres verstorbenen Massimo kennenlernen und trifft auf den schönen, kühl distanzierten Michele. Sie umschleichen sich wie Katzen in der Nacht, nähern sich an, und für Antonia erschließt sich im Kreis der Freunde Micheles eine völlig neue Welt als berauschendes Fest des Zusammenhalts, der gut organisierten Zickigkeiten, und bringt ihr die Erfahrung, daß Ende immer auch Anfang ist.

Ozpetek erzählt in diesem bodenständigen und zugleich narkotisierenden Reigen vom Erwachen einer schönen Frau. Er ist so nah dran, man spürt in jeder Sekunde den Odem der Wahrhaftigkeit. Einfach wunderschön! Den konservativ-bürgerlichen Brettern vor Antonias Kopf werden die Nägel gezogen, und auch wenn Beklemmung und purer Schmerz in ihrem malträtierten Herzen einander reiben, wird es Antonia am Ende besser gehen. Daß sie sich in die Arme des Liebhabers ihres Mannes sehnt, wird jeder verstehen, so bald Michele die Szene betritt.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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