Originaltitel: THE THREE MUSKETEERS

D/F/USA/GB 2011, 110 min
FSK 12
Verleih: Constantin

Genre: Literaturverfilmung, Abenteuer, Action

Darsteller: Logan Lerman, Milla Jovovich, Christoph Waltz, Mads Mikkelsen, Orlando Bloom

Regie: Paul W.S. Anderson

Kinostart: 01.09.11

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Die drei Musketiere

Neudekoration im Hause Dumas

Unter Verzicht auf Angaben zum Inhalt, weil Alexandre Dumas’ Roman bekannt sein müßte, hier eine Warnung: Wer Werktreue erwartet, sollte keinesfalls den Kinobesuch erwägen! Denn diese Adaption schüttelt die Vorlage derart kräftig durch, daß manche Handlungsstränge entscheidende Änderungen erfuhren, Figuren mutierten und sich Jahrhunderte mischten. Eben künstlerische Kollateralschäden der modernen Inszenierung.

Dafür geht’s vom Kalauer bis zur präkoitalen Übereinkunft („Ich bin kein Priester.“ – „Und ich keine Dame!“) gar lustig zu; da dürfte jedes Humortöpfchen das passende Deckelchen finden. Für alle Publikumsgruppen wurde hingegen in 3D gedreht, wobei der Effekt sich auf – welche Überraschung – Fuchteleien mit dem Degen oder prall ins Zuschauerblickfeld geschnürte Brüste beschränkt. Unter anderem die von Milla Jovovich, deren inklusive einiger Nachsicht „solide“ zu nennendes Talent, weiter beschnitten von einer viel zu schnuckeligen Synchronstimme, die per se eiskalte M’lady de Winter zum Sonnenschein abstuft. Zumindest, wenn sie nicht gerade durch Fallen turnt oder RESIDENT EVIL-like eine ganze Horde Mannsbilder vertrimmt.

Und dieses Kicken im Korsett erhöht den Spaß tatsächlich ungemein, das hiesig vom Emanzipationsgedanken beflügelte Teufelsweib tauscht halt Gift und Intrigen gegen Tritte in die Weichteile. Was soll frau auch sonst tun, angesichts eines verzogenen Kindes als König und Christoph „Richelieu“ Waltz, der routiniert seine Hans-Landa-Nummer durchzieht und zwischendrin österreichisch eingefärbt konstatiert: „Ich bin Frankreich“?!

Sicher gäbe es bei Bedarf ergo einiges zu bekritteln, doch man verlöre dabei aus den Augen, wie DIE DREI MUSKETIERE ihrem selbstgesetzten Anspruch, ein Spektakel zu sein, nicht nur stets gerecht werden, sondern außerdem geradezu verspielten Charme auffahren, den einerseits die meisten Darsteller – im Rahmen individueller Möglichkeiten – freudig danken, und welcher sich andererseits mühelos gegen Kostüme, prunkvolle Ausstattung sowie grandiose historische Schauplätze zu behaupten weiß. Was letztlich mehr ist, als solcherlei Großprojekte normalerweise stemmen.

Eine ordentliche Basis für die überdeutlich angekündigte Fortsetzung ist also geschaffen, und gerade deshalb bleibt zu wünschen, Teil 2 möge den Freiraum nach oben bitte nicht nur mit noch mehr Luftschiffen füllen ...

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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