Originaltitel: GHOSTLAND: THE VIEW OF THE JU/'HOANSI

D 2016, 86 min
FSK 0
Verleih: Drop-Out Cinema

Genre: Dokumentation

Regie: Simon Stadler, Catenia Lermer, Sven Methling

Kinostart: 02.11.17

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Ghostland

Zivilisationskritik als unterhaltsame Fremdscham

25.000 Jahre ruhig existiert, dann griff die Regierung ein: In der Kalahari hadern die Ju/’Hoansi mit Jagdverbot und müssen andere Wege finden, um zu überleben. Touristen unterhalten hauptsächlich, und so sieht man extrem peinlich berührt zu, wie die „Buschmänner“ vor debil grinsenden, bunt gewandeten, jede Pose fotografierenden Weißen Jagdtechniken simulieren oder einfach den Hintern gen Himmel strecken. Neben Schmuck wird zwangsweise die Würde verkauft, Menschenzooduft wabert. Ein Konflikt, zwar angerissen, aber kaum vertieft, wie vieles weitere.

Zweite Station: Organisation einer Safari für die Ju/’Hoansi, als Ziel steht die nächste Stadt auf dem Plan, sittsam be- bzw. verkleidet lernen die eigentlichen Lendenschurzträger Supermärkte kennen, bemängeln den schlecht süßenden Zucker, fürchten unterwegs ein Steinfeld, und Ältere kämpfen gegen Getränkedosen, welche die Kinder – klar – problemlos öffnen können. Alles unverändert im Blitzlichtgewitter nerviger Touristen, während die Regie erstaunliche Zurückhaltung beweist, weder das Volk vorführt noch der grandiosen Landschaft erliegt, obgleich ein Regenbogen über den Hütten natürlich das Auge verwöhnt. Abgehakt auch diese Station.

Es folgt Teil 3, die Einladung vierer Stammesmitglieder nach Europa. Daß Frankfurt am Main zum Kulturschock gerät, verwundert wenig, das anhaltende Paddeln an der dokumentarischen Oberfläche allerdings schon. Das seiner Heimat entrissene Quartett redet oft übers Sterben und lächelt dabei entspannt, schaut unverstellten Blickes auf eine neue Welt, die wohl leider ebenso für sie die Zukunft darstellen muß, und beobachtet mit diplomatisch vollkommen ungefilterter Neugier. Ob Gedanken zum Fleischkonsum, bezüglich deutscher Lautstärke oder ungezähmter Arbeitswut: In offener Direktheit hält die kleine Gruppe uns den Spiegel vor, und was darin aufscheint, will glücklicherweise nicht gefallen. Trotzdem versäumt es die Doku im grundsätzlich lobenswerten Verzicht auf Einmischung seitens der Macher, jene Einlassungen aufzugreifen, zu bündeln und hochkonzentriert Richtung Publikum zu leiten.

Die verbalen und geistigen Widerhaken bleiben insgesamt zu fein, bohren den unbestrittenen Unterhaltungswert häufig durchaus an, schmerzen übers Fremdschämen hinaus jedoch nie wirklich. Einmal heißt es: „Ich will nicht sagen müssen, daß wir nur herumsaßen und Spaß hatten.“ Genau.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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