Originaltitel: GOLD

USA 2016, 121 min
FSK 12
Verleih: StudioCanal

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Matthew McConaughey, Edgar Ramirez, Bryce Dallas Howard, Stacey Keach

Regie: Stephen Gaghan

Kinostart: 13.04.17

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Gold

Joker mit Plauze im Spiel der Gier

1981 ist noch alles in Ordnung. Kenny Wells arbeitet in der Washoe Mining Corporation. Eine Familienfirma mit Tradition. Grandpa hat sie gegründet. Daddy leitet sie. Und irgendwann, wenn es so weit ist, wird Kenny sie übernehmen. Eine ganz klare Sache.

Stephen Gaghans GOLD eröffnet mit einer Szene, die uns diesen Kenny als so smarten wie charismatischen und gutaussehenden Hansdampf vorstellt. Und das macht Gaghan nur aus einem einzigen Grund: einem Vorher-Nachher-Effekt erster Güte. Denn Kenny wird gespielt von Matthew McConaughey. Ja, dem smarten, charismatischen, gutaussehenden McConaughey, der er auch als 1981er Kenny ist. Nur daß der Film nach dieser Anfangsszene ins Jahr 1988 hüpft und uns dann wiederum einen Kenny mit feuchtglänzender Halbglatze, Triefaugen und extraordinärer Plauze liefert. Was für ein Wrack! Und tatsächlich: Das ist immer noch Mr. McConaughey, der dann auch ganz und gar aufgeht in dieser Figur des Kenny Wells. Eines versoffenen Glücksritters von trauriger Gestalt, unverwüstlicher Energie und – vielleicht – einiger Durchtriebenheit.

1988 also, und nichts ist mehr in Ordnung: Daddy ist tot, die Firma pleite, und nur Freundin Kay plus ein paar andere Wracks halten noch zu Kenny, der mit einer Mischung aus Zähigkeit und Penetranz daran glaubt, daß sein großer Moment kommen wird. Ist auch so. Mike Acosta heißt der Geologe und Erfinder einer „Ring Of Fire“-Theorie, mit der man angeblich todsicher Bodenschätze aufspüren könne. Gold etwa, das im tiefsten indonesischen Urwald in Massen lagere. Nur daß Acosta kein Mensch glaubt. Außer einem natürlich. Kenny, ganz klar.

Was dann folgt, ist der auf Tatsachen beruhende Aberwitz von zwei aberwitzigen Kerlen, die bald tatsächlich gemeinsam im Tropenschlamm wühlen, mit dem größten Goldfund der Geschichte die Börsenwelt hyperventilieren lassen und als Duo ein seltsam janusköpfiges Ganzes sind. Blindgänger und Klarseher, Blender und Geblendeter, Manipulator und Opfer. Freunde?

Nun, nicht alles ist Gold, was glänzt. Glänzend aber in jedem Fall ist dieser Film, der in einiger Lässigkeit von den Spielformen der Gier erzählt und von der Gier am Spiel sowieso. Der Twists, Maskeraden, Emotionen wie Karten austeilt. Und dabei immer einen Joker in der Hinterhand behält. Also bis auf den einen, seinen Hauptdarsteller, der dann, von Anfang an hinreißend aufspielend, ausgespielt wird.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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