Originaltitel: LOUISE-MICHEL
F 2008, 94 min
Verleih: Kool
Genre: Persiflage
Darsteller: Yolande Moreau, Bouli Lanners, Benoît Poelvoorde, Mathieu Kassovitz, Albert Dupontel
Stab:
Regie: Gustave de Kervern, Benoît Delépine
Drehbuch: Gustave de Kervern, Benoît Delépine
Kinostart: 24.09.09
Nein, Louise ist nicht gerade das, wovon Männer schwärmen, sondern eher eine Alptraumbraut, die mit strähnigem Haar und abgewetzter Schürze durch die Botanik walzt wie John Waynes Schwester. Eine Frau, welche ihr Mittagessen in der Rattenfalle fängt und aus Sparsamkeit Brennspiritus säuft. Diese Louise schuftet sich im Schichtdienst den Rücken krumm, um über die Runden zu kommen. Gestern gab es vom Chef noch neue Kittel für alle Arbeiterinnen, der Motivation wegen, heute ist der Laden dicht. Eine lächerliche Abfindung kann den Jobverlust nicht kompensieren, Verzweiflung macht sich breit, bis Louise ihren Leidensgenossinnen den ultimativen Vorschlag unterbreitet: Man solle seine paar Euro zusammenlegen und einen Killer engagieren, um die Chefetage abzuknallen. In den Frauen erwachen Mordinstinkte – also gesagt, getan. Louise rekrutiert Wachmann Michel. Dumm bloß, daß der zu seiner Waffe zwar ein erotisches Verhältnis pflegt, ansonsten aber nicht weiß, was er damit anfangen soll.
Und jetzt geht die sprichwörtliche Post ab. Egal, ob Michel zur Ausübung des Auftrags seine todkranke Verwandte engagiert (schließlich kann die eh nichts mehr verlieren), ein Attentat per Rollstuhlfahrer nach hinten losgeht, oder man 9/11 nachstellt – zarte Seelen haben in dieser gnadenlos komischen, von Leichen gepflasterten Reinform einer Satire nichts zu kichern. Jede heilige Kuh wird ohne Rücksicht auf die oft beschworene Political Correctness zur Schlachtbank geführt, was schon weh tut, weil es mit unbequemen Wahrheiten stets ins Schwarze trifft.
Zudem gelingt LOUISE HIRES A CONTRACT KILLER ungeachtet giftiger Zynismen, weg von allen nachtschwarz leuchtenden Szenen, immer wieder das Wunder, zwei Verlierer als echte Menschen zu zeichnen. Weil Trampel Louise mit ihrer – einigen Menschen zum tödlichen Verhängnis gereichenden – Leseschwäche und ruppigem Äußeren sowie Michel, der abgerissene Sonderling, ihren Mut noch nicht verloren haben, obwohl sie sich durch kaum zu verschlimmernde Leben quälen. Und deswegen dürfen diese zwei Antihelden dann auch die Liebe entdecken, nur fast zwangsläufig völlig anders, als man es erwartet. Quasi das Sahnehäubchen auf einem Film, dessen markerschütternder Humor auf jeden Fall für Lärmentwicklung sorgen wird: Mancher Zuschauer grölt vor Lachen, ein anderer rennt panisch schreiend aus dem Saal.
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme mit Wahrheit. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Und Frank kann GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...
[ 15.10.09, 15:46:32 – Vera ]
Dieser Film ist einer der besten, die ich seit langem sehen durfte. Kompromisslos, zynisch, ohne jedes Tabu - fast genauso wie die schöne bunte Welt der neoliberalen Wirtschaft, die gnadenlos dekonstruiert wird. Der Film ist eben kein rosarotes Sahnebonbon, das die immer gleichen Klischees von Tätern und Opfern und die eingeschleiften Sehgewohnheiten bedient. Man muss sich auf eine völlig neue Filmwelt einlassen, mit unsympathischen Protagonisten, grenzenlosem Leiden und einem Humor, der trotzdem lacht und gerade dabei radikal ist. Die Kategorien verschwimmen und es gibt kein richtig oder falsch, nur einen mit Wahsinn gepaarten pragmatischen Realismus. Ja, ich weiß, das ist ein Paradox, aber das macht den Film aus. Es geht um eine Satire, die wirkungsvoller nicht sein könnte. Habe selten so viel gelacht, so viel geweint und gleichzeitig so viele Leute aus dem Kinosaal laufen sehen. Wenn der Film auf DVD rauskommt, ordere ich gleich eine 10er-Packung. Für alle Geburtstagsfeiern, auf denen erwartet wird, dass ich ein "nettes" Geschenk mitbringe, hähä.
[ 12.10.09, 19:32:27 – instantflorian ]
Ein im höchsten Maße ärgerliches und enttäuschendes Machwerk. Ich zähle nicht zu den "zarten Seelen", aber dieser Streifen ist bis auf ein paar Ausreißer einfach nur Mist. Ansonsten reihen sich Rohrkrepierer und Fremdschämszenen aneinander - "Dumm und Dümmer" auf französisch sozusagen. Aber vielleicht ist der französische Humor, auf Kosten von Schwächeren und Benachteiligten bemühte Schenkelklopfer zu provo- bzw. produzieren, auch einfach nur nicht meine Kragenweite.
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