Originaltitel: DEMAINS EST À NOUS

F 2019, 84 min
Verleih: Neue Visionen

Genre: Dokumentation

Regie: Gilles de Maistre

Kinostart: 03.12.20

Morgen gehört uns

Den Kindern das Kommando

Der junge Peruaner José Adolfo (13) wirkt manchmal ein bißchen altklug, wenn er von seiner Umweltbank erzählt, bei der Kinder ein Konto eröffnen, indem sie selbst gesammelten Müll einzahlen, der recycelt wird und ihnen so schließlich Geld bringt. Heute sind schon 3000 Kinder Kunden der Bank, und die Idee wird nicht nur in seiner Heimat, sondern auch international wahrgenommen.

Tatsächlich ist er nicht der Einzige, der die Zukunft in diesem Dokumentarfilm für Kinder selbst in die Hand nimmt. Der Regisseur Gilles de Maistre stellt Kinder aus aller Welt vor, die sich gegen Armut, Obdachlosigkeit und schlechte Lebensbedingungen engagieren und dafür kämpfen, daß alle Kinder zur Schule gehen können und eine fundierte Bildung erhalten, die ihnen ein gutes Leben ermöglicht. Egal, woher sie stammen, egal, welches Geschlecht sie haben. Auch wenn kein „Fridays For Future“-Aktivist unter ihnen ist, ist das Muster unübersehbar: Dort, wo die Erwachsenen versagen, werden Kinder selbst aktiv.

Es gab bereits eine ganze Reihe von Dokumentarfilmen, die Kinder und ihre Wünsche und Träume in den Mittelpunkt stellen (AUF DEM WEG ZU SCHULE, NICHT OHNE UNS). MORGEN GEHÖRT UNS unterscheidet sich vor allem darin, daß er Kinder vorstellt, die in ihrem Engagement sehr weit gehen. Es gehört schon eine ganze Menge dazu, wie der 13jährige Peter als Kinderarbeiter in Bolivien in einer Mine zu schuften, nach Arbeitsschluß die Schulbank zu drücken und sich noch dazu in der Kindergewerkschaft für faire Arbeitsbedingungen von Kindern einzusetzen oder sich wie die 12jährige Aïssatou gegen Kinderehen zu engagieren.

Als Erwachsener wird man schnell ziemlich still in diesem Film, denn die Kinder nehmen sich zielstrebig und ohne langes Zögern all die Probleme vor, vor denen die Erwachsenenwelt seit Jahren kapituliert. De Maistre stellt sich ganz in den Dienst der jungen Aktivisten und will mit seinem Film Hoffnung schüren. Wenn es solche Kinder gibt, so der Tenor, dann haben wir noch Grund zur Hoffnung. Leider bleibt einem beim Zuschauen die Hoffnung ein Stück weit im Hals stecken, wenn man merkt, wie erschöpft und überfordert die Kinder durch die Sisyphusaufgaben sind, die unser Nichtstun ihnen beschert hat. Es wäre gut, wenn sich von diesem Film weniger die Kinder als das erwachsene Publikum angesprochen fühlen würde. Es ist an der Zeit, sich um das Morgen zu kümmern. Auch und gerade, weil es den Kindern schon gehört.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.