Noch keine Bewertung

Peak – Über allen Gipfeln

... und unter der Schneeoberfläche

Der Rezensent outet sich hier vorab als resistent gegenüber der Anziehungskraft des Phänomens Wintersport. Sicher, Skifahren macht Spaß, aber die industrialisierte Massenabfertigung an den Skipisten der einschlägigen Hochgebirge mit Spaß in Verbindung zu bringen, fällt Menschen ohne topmodernes Gleitgerät im Keller doch zunehmend schwer. Insofern hatte PEAK, der die beängstigenden Auswirkungen der winterlichen Freizeitindustrie für die Alpenregion beleuchtet, beim Verfasser dieser Zeilen leichtes Spiel. Dennoch sei die Doku besonders den Pistenkönigen und -königinnen ans Herz gelegt, denn neben beeindruckenden Bildern der geliebten Landschaft liefert sie einen wirklich augenöffnenden Blick hinter die Kulissen des Ferienparadieses.

Dabei ist Hannes Langs Film keineswegs eine Anklage an den Ski-Tourismus, wenn er auch, wie jeder gute Dokumentarfilm, eine durchaus kritische Haltung gegenüber seines Sujets bezieht. Vielmehr ist der Film eine vielschichtige Rundumbetrachtung eines Zeitphänomens, das in seinen Systemstrukturen über sich hinausweist. In einer formalistischen Strenge, die an Thomas Heise erinnert, beobachtete Hannes Lang über ein Jahr die Bau- und Produktionsprozesse rund um den Ski-Tourismus. Erschreckend dabei ist nicht nur, mit welchem Aufwand hier ganze Landschaften künstlich verändert werden, sondern auch, wie die Ausrichtung auf den Alpentourismus die Region in gleichem Maße aussaugt, wie es ihr die vordergründige Wirtschaftskraft schenkt. Die Bergbauern der Region sterben angesichts des lukrativeren Arbeitsbereichs Gastgewerbe zwangsläufig aus. Die wenigen verbliebenen Landwirte, die zu Wort kommen, bereichern den Film um persönliche Schicksale, die zu Beginn des Films noch außen vor bleiben.

Es sind Bilder, die sich festsetzen: Die verlassenen Hotels zur Sommerzeit, die wie aus Kubricks SHINING entlehnt scheinen, die beleuchteten Partyzelte zur Saison, aus denen die wummernden Beats der Atzen und das Gegröle der Partygemeinde in die Nacht schallen, der einheimische Gastwirt, der auf den abgetauten Hängen nach liegengebliebenen Münzen sucht. In Qualität und Nachwirkung bietet PEAK die perfekte Ergänzung zu Ursula Meiers großartigem WINTERDIEB, in dem ebenfalls die Welt hinter dem schneeweißen Winterparadies zu Tage tritt, wenn auch eingebunden in ein fiktionales Drama. Vielleicht vor dem Winterurlaub beide Filme anschauen und dann die Ski-Gaudi mit anderen Augen sehen.

Originaltitel: PEAK

D/I 2011, 91 min
FSK 0
Verleih: Farbfilm

Genre: Dokumentation, Sport

Regie: Hannes Lang

Kinostart: 27.06.13

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...