Originaltitel: RIVERS AND TIDES
D 2000, 90 min
Verleih: Piffl
Genre: Dokumentation
Stab:
Regie: Thomas Riedelsheimer
Drehbuch: Thomas Riedelsheimer
Kinostart: 06.06.02
Die Schlange windet sich träge durch einen Fluß, läßt sich von den sanften Wellen schaukeln. Doch sie ist kein Wesen aus Fleisch und Blut, sondern entpuppt sich bei näherem Hinsehen als aus Blättern geformt - ein Projekt des Naturkünstlers Andy Goldsworthy.
Dokumentarfilmer Thomas Riedelsheimer hat ihn begleitet und beobachtet. Ebenso karg und minimalistisch, dennoch faszinierend und einzigartig wie die Flora kommt der Film daher: nur hin und wieder untermalt meditative Musik die langen Kameraeinstellungen, welche Malereien ähneln, einen wahren visuellen Rausch entfachen, während sie fast nebenbei, wie ungewollt, die Arbeit Goldsworthys einfangen. Alltäglichen Dingen schenkt er neue Formen, erschafft Skulpturen aus Eis, baut Nester aus Treibholz, vereint Steine mit Wolle, drapiert einen Pool aus Löwenzahn im Wasser.
Doch er ist bei all dem kein Naturbursche mit Zottelbart - ihm ist die eigene Position als Fremdkörper inmitten des natürlich Entstandenen wohl bewußt; er akzeptiert sie, um den meist unbeachteten und übersehenen Kleinigkeiten des Lebens um sich herum ein neues Gesicht zu geben, sie zu verstehen. Goldsworthy ist sich gleichfalls der Vergänglichkeit seiner Installationen bewußt und nutzt diese, um mehr über den Lauf der Zeit zu lernen, das Unbewußte greifbar zu machen.
Hat dieser Film eine Existenzberechtigung? Natürlich mag man über Sinn und Unsinn vormals beschriebenen Tuns streiten - doch das ist eine Frage, welche sich Andy Goldsworthy nicht stellt. Für ihn muß es keine Erklärung geben, er braucht einfach das Land, die Natur, um seine Illusionen zu leben, seinen Vorstellungen realen Platz in der Welt zu schaffen. Und selbst wenn man vielleicht nicht versteht, warum es für ihn viel mehr als Spielerei ist, mit dem Finger eine Spirale in den Schnee zu zeichnen, man ihm eine gewisse Obsession nicht absprechen kann - er tut gut daran, für den Moment zu leben, jeden Augenblick auszukosten. Ein Träumer? In der Tat. Möge er niemals erwachen.
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme mit Wahrheit. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Und Frank kann GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...
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