CH 2009, 98 min
Verleih: Kool

Genre: Dokumentation

Darsteller: Anousheh Ansari, Jonas Bendiksen, Charles Simonyi

Regie: Christian Frei

Kinostart: 29.07.10

1 Bewertung

Space Tourists

Achtung, Rübe im Anflug!

Quizfrage: Wovon träumt man als amerikanische Geschäftsfrau? Richtig – einem Flug ins All! Also tritt Anousheh Ansari einen solchen an, kostet bloß zwanzig Millionen Dollar, Portokasse quasi. Richtig albern wird es aber, wenn sich Ansari verbal indirekt auf eine Stufe mit Gandhi stellt oder ihren Weltraumtrip als Befreiungsschlag für alle Frauen betrachtet. Das bleibt, wie es sich für Dokumentationen zum Weiterdenken gehört, unkommentiert. Und vielleicht hegt das schöne Geschlecht insgeheim ja wirklich ausnahmslos den Wunsch, die Erde mal von oben zu betrachten, man(n) weiß es nicht.

Jedenfalls sind die entstandenen Bilder aus der Schwerelosigkeit von atemberaubender Eleganz, teils gar spektakulär. Im Parallelschnitt lernen wir Schrotthändler kennen, welche im kasachischen Niemandsland abgestoßene Raketenstufen – „Rüben“ genannt – sammeln und diese nach China verkaufen, wo aus ihnen feinste Alufolie (!) fabriziert wird. Ein harter, durch giftige Inhaltsstoffe gleichfalls mit Gesundheitsrisiken verbundener Job, den Fotograf Jonas Bendiksen begleitet. Er dient gleichzeitig als wandelndes Lexikon in Sachen sowjetischer Raumfahrtgeschichte. Dennoch sollten selbst Leser, denen jetzt eine dröge Wissenschaftsdokumentation vorschwebt, unbedingt den Kinobesuch wagen, denn auch Unterhaltsames kommt nie zu kurz. Etwa dann, wenn die potentielle Frauenrechtlerin Ansari sogar im All bereits nach zwei Tagen zum Staubsauger greift. Freiwillig!

Abgerundet wird der Blick auf einen uralten Menschheitstraum schließlich noch durch einen (O-Ton) Weltraum-Enthusiasten auf seinem erhofften Weg zum Mond sowie den amerikanischen Computer-Mogul Charles Simonyi, ebenso ein „Space Tourist“, dessen Erkenntnisse von bahnbrechender Beobachtungsgabe zeugen: „Das All ist ein hartes Umfeld.“ Schau mal an. Am Ende bleibt, neben dem Wissenszuwachs, ästhetischen Freuden und regelrecht verflogenen anderthalb Stunden, die Erkenntnis, daß wohl auch im fernen Weltraum der Sinn humanen Lebens nicht liegen kann.

Was übrigens allein schon eine herrlich skurrile Szene aufzeigt, welche ohne Worte treffend die Beschränktheit des menschlichen Geistes illustriert: Ansari, gerade erst wieder gelandet, wird von einem Komitee empfangen, das ihr, der soeben aus der Kapsel Gehobenen, sofort einen Blumenstrauß auf den Astronautenanzug klatscht. Na klar. Was denn sonst.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme mit Wahrheit. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Und Frank kann GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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1 Meinung zur Rezension oder zum Film

[ 31.07.10, 09:15:25 – Sia ]
Ein millionenschwerer amerikanischer Excel-Entwickler kämpft sich
mit dem Fahrrad durch die verschneiten Straßen des Sternenstädtchens - der reinste Alien. Das Motiv des bizarren Zusammentreffens von Kulturen zieht sich durch den ganzen Film, der überraschend lustig ist und dabei lehrreich: Wer hätte gedacht, dass gerade Rumänen bei der Forschung zur privaten Raumfahrt glänzen, wer hat schon mal eine Raumfahrernahrungs-Testverkostung gesehen?
Allein für die Zusammenstellung altsowjetischer Denkmäler und Wandgestaltungen zur Raumfahrt-Propaganda lohnt es sich, in den Film zu gehen. Bilder des verfallenden Baikonur, die man nie gesehen hat und wohl auch nirgends anders sehen wird. Es sei denn, man reist selbst dort hin - wozu man augenblicklich Lust verspürt. Frau Ansaris bedeutungsschweres Geplauder geht gegen Ende etwas auf die Nerven, aber es sei ihr gegönnt.




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