Originaltitel: THE DINNER

USA 2017, 121 min
FSK 12
Verleih: Tobis

Genre: Drama, Thriller

Darsteller: Richard Gere, Laura Linney, Steve Coogan, Rebecca Hall, Chloë Sevigny

Regie: Oren Moverman

Kinostart: 08.06.17

1 Bewertung

The Dinner

Totschlag und Sterneküche

Einen leichten Stand hatte Oren Moverman in den deutschen Kinos bisher wahrlich nicht. Entweder fand sich gar kein Platz, Beeindruckendes wie RAMPART und der mit Richard Gere stark besetzte TIME OUT OF MIND wurden daher auf DVD verramscht, oder der Filmemacher ging gnadenlos unter – geschehen mit dem filmischen Schwergewicht THE MESSENGER. Nun, mit THE DINNER könnte es ein wenig anders laufen, zum einen fährt Moverman einen starken Cast auf, zu dem auch wieder der so neidvoll lässig alternde Richard Gere gehört, und zum anderen gelingt ihm, mit einer klar umrissenen und in aller Knappheit gehaltenen Prämisse, ein über Strecken feines Stück Hochspannungskino.

Paul hat keine Lust auf das Restaurant, seine Frau Claire hingegen schon, man kriegt ja als Sterblicher keinen Tisch. Nun schon, weil Stan, Pauls Bruder, nur seinen Namen zu nennen braucht – ein hohes politisches Tier mit der Absicht, sich in Kürze zum Gouverneur wählen zu lassen. Auf den letzten Metern gerät der Politiker ins Stolpern, eine sehr delikate Angelegenheit muß in der Familie besprochen werden, weshalb die Einladung in den Gourmettempel nicht zum reinen Schmaus gereichen wird. Die halbwüchsigen Söhne der Brüder haben in strunzblöder Langeweile und skrupelloser Kaltblütigkeit eine Obdachlose in ihrem pappigen Haltestellenschlafplatz attackiert und – man kriegt es kaum raus – verbrannt. Der Abend steht daher unter einem klaren Motto: Wir müssen reden!

Über die moralische Einordnung des Verbrechens hinaus entflicht sich ein Familiendrama, habwegs konsequent in der Abfolge des Menüs gerahmt, über brüderliche Rivalität, die moderne Überhöhung, Kinder zu haben, übers Zurückgestoßenwerden und über genetisch vererbte psychische Erkrankungen.

Moverman entlarvt seine Figuren als Menschen, die in Panik und Schuldzuweisung zusammenkommen, sich in ihrem Narzißmus, ihrer Einsamkeit und Verkommenheit ähneln. Aber: Hätte Moverman sich nur allein darauf konzentriert und nicht noch einen unnötigen, schwer theoretischen Exkurs in die amerikanische Geschichte ungelenk drangepappt, THE DINNER hätte die Wucht einer griechischen Tragödie über einen kompletten Zusammensturz gehalten. So aber ist ihm immerhin ein überzeugender Film über Schuld und das Versagen im Umgang damit gelungen. Und kurz vor Schluß hätte uns das Cleverle Moverman doch fast noch gekriegt im guten Glauben, daß Politiker so etwas wie ein Gewissen haben ...

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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