Originaltitel: URFIN DZHYUS I EGO DEREVYANNYE SOLDATY

Rußland 2017, 91 min
FSK 0
Verleih: Peppermint

Genre: Computeranimation, Kinderfilm, Literaturverfilmung

Stab:
Regie: Vladimir Toropchin, Fyodor Dmitriev, Darina Shmidt
Stimmen: Oliver Kalkofe

Kinostart: 16.05.19

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Urfin, der Zauberer von Oz

Die Entzauberung des Zauberlands

Mancher DDR-Sozialisierte mag sich eventuell noch an diesen oder jenen Moment kindlicher Innigkeit erinnern, in dem er, vielleicht einen Muckefuck schlürfend und Russisch Brot knabbernd, auf dem Sofa lümmelte und sich gemütlich lesend in einem dieser Bücher des Sowjetrussen Alexander Wolkow verlor. Ein Autor, der einst in den Zeiten Väterchen Stalins, gleich einer Weltflucht und so dreist wie gekonnt, Lyman Frank Baums Kinderbuchklassiker „Der Zauberer von Oz“ adaptierte.

Und späterhin (ab 1959, der olle Schnauzbart-Josef war da schon tot) daraus eine ganze Buchreihe entwickeln sollte. Echte Bestseller, die die Geschichte vom Zauberland und seinen Bewohnern fortspannen. Und das unter anderem mit einem tragikomischen Schurken namens Urfin, der jetzt auch zum Titel-Antihelden wurde in einem Animationsfilm, der sich Wolkows Vorlage derart beherzt zur Brust genommen hat, daß man glatt den Muckefuck verschüttet.

Basierend auf „Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten“ hat sich nämlich ein dreiköpfiges russisches Regie-Kollektiv sehr erfolgreich darangemacht, den nostalgisch gefärbten Zauberland-Zauber gehörig mit Zeitgeist-Standard-Hochglanz aufzupeppen: In URFIN, DER ZAUBERER VON OZ gelingt es dem Titel-Schurken wie gehabt, mit Hilfe eines magischen Krautes eine Armee von ihm geschnitzter Holzsoldaten zum Leben zu erwecken und mit diesen das Zauberland in seine Gewalt zu bringen. Inklusive illustrer Gesellen wie dem schlauen Scheuch oder dem Eisernen Holzfäller. Hilfe kann da nur noch aus der Menschenwelt kommen. Im konkreten Fall vom Mädchen Dorothy, das dann auch bald mit Mut und Hündchen zur Stelle ist.

Es ist ohne Frage legitim, alte Geschichten aufgefrischt unter ein frisches Publikum zu bringen. Die Seh- und Erzählgewohnheiten ändern sich eben. Weshalb dann etwa dieser Film auch prompt von einem Showdown heimgesucht wird, der wohl irgendwie spektakulär an TRANSFORMERS erinnern soll (nur halt weniger spektakelt) – aber bei strenger Betrachtung nur das finale Symptom jener Phantasiearmut und/oder soldatischen Produzenten-Holzköpfigkeit ist, die noch jedem Zauberland den Zauber erfolgreich austreibt. Und somit diesem routiniert soliden Film eine Austauschbarkeit verleiht, von der die Vorlagen weit entfernt sind.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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