D/Österreich 2012, 87 min
FSK 6
Verleih: StudioCanal

Genre: Tragikomödie, Liebe, Romantik

Darsteller: Johanna Wokalek, Iris Berben, David Kross, Michael Gwisdek

Regie: Sherry Hormann

Kinostart: 29.11.12

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Anleitung zum Unglücklichsein

Von Ticks und zu vielen Männern

Diesen Film kann man, wenn man zu einigem Zynismus und zur Diabetes neigt, in der Luft zerreißen, weil er natürlich ein buttercremiges Märchen, ein überzuckertes Baiser und für orthodoxe Kulturwächter vielleicht sogar eine Unverschämtheit ist. Man kann sich aber auch locker machen und an einem Film erfreuen, der nicht mehr und hier gar nicht weniger ist als gute Unterhaltung – mit AMÉLIE-Touch. Jawohl, das ist nicht zu hoch gegriffen, denn allein in Dekor und Beleuchtung und in Zeichnung der naiv-staunenden Hauptfigur kann der Film durchaus mit dem Pariskonfekt mithalten. Und ihm ist anzurechnen, den Ort der Handlung zu einem fast märchenhaft-romantischen, gar einem schönen Platz gemacht zu haben – obwohl die Geschichte um die Feinkostladenbesitzerin Tiffany Blechschmidt in Berlin angesiedelt ist.

Diese Tiffany ist ein etwas linkisches, wunderliches, vielleicht auch schüchternes und in jedem Fall den Männern mit Distanz begegnendes, wenn auch mit 30 nicht mehr ganz blutjunges Mädchen. Im Geschäft läuft alles bestens, die Kunden lieben ihre selbstgemachten Macarons inkl. Lebensspruch, wobei der alte, treue Paul nicht Unrecht hat: „Statt kluger Sprüche auf trockenen Keksen solltest Du es mal krachen lassen!“ Aber mit wem? Denn plötzlich rumpelt es in der so fein sortierten Blechschmidtschen Routine, mehrere Männer ziehen ihre Kreise: Da wäre der bereits in der Kindheit angeschwärmte Klavierlehrer, dann dieser Macho-Polizist, bei dem aber schon wegen des Jeanshemdes und des Oberlippenbartes per se Vorsicht geboten sei. Außerdem gibt es da noch diesen anhänglichen Fotografen, und auch der schweigsame Küchengehilfe Benno schaut sie bisweilen seltsam an ...

Es ist also an sich die alte, bekannte Geschichte vom Mauerblümchen, vom Entchen, das eventuell zum schönen Schwan reift, und dennoch ist sie anders erzählt – mit sparsamen, aber notwendigen Einblicken in Tiffanys komplizierte Kindheit, mit Sympathie für die Menschen, die sich auch mal schnell „weggucken“, oder die einfach weggelärmt werden vom dröhnenden Plebs, und mit einem warmherzigen Blick auf eine junge Frau, deren Leben aus Ticks besteht. Zu denen gehören der Wecker, der stets zur gleichen Zeit schellt und trotzdem falsch geht, ein Papagei, der auf den Namen Richard hört, und die Furcht vorm bösen Nachbarn.

Erstaunlich ist nur, daß einem Johanna Wokalek in der Hauptrolle nicht so recht in Erinnerung bleiben will, da setzte Audrey Tautou als Schwester im Geiste dann doch andere Akzente. Vielleicht liegt es hier aber auch an der wirklich groß aufspielenden Iris Berben, die schon rein optisch in engen, schwarzweißen bis wieselgrauen Kostümen und mit Hochsteckfrisur gehörig Raum einnimmt, und an der stillen, pointierten Performance David Kross’ als Benno.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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