CH/Kanada/GB 2018, 82 min
FSK 0
Verleih: GMfilms

Genre: Dokumentation, Natur

Regie: Emma Davie, Peter Mettler

Kinostart: 29.08.19

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Becoming Animal

Die Welt wahrnehmen

Philosophie und Film basieren auf verschiedenen Prinzipien: Erstere bedient sich der Sprache als Medium, während Letzterer sich durch Bilder definiert. Der Versuch, beides zusammenzubringen, wird selten unternommen. Die Filmemacher Emma Davie und Peter Mettler jedoch wagen dieses Experiment. Ihr Ausgangspunkt sind die Thesen des amerikanischen Naturphilosophen David Abram. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit dem Verhältnis von Mensch und Umwelt. Zu seinen zentralen Fragen gehört, wie wir durch unsere Sinne die Welt wahrnehmen, wie sich diese Wahrnehmungen in unserer Sprache, im Denken und Handeln niederschlagen und wie die moderne Technologie dieses Wechselspiel beeinflußt. Nehmen doch viele Menschen die Welt immer mehr mittels ihrer elektronischen Geräte und weniger durch physische Empfindungen wahr.

Abrams Gedanken, die er meist im Off mit Verve und sprachlicher Brillanz vorträgt, haben für nüchterne Naturen durchaus eine gewisse Nähe zur Esoterik. Gleichzeitig geht von dem hageren Mann aber auch eine große Faszination aus, ein Charismatiker ist er zweifelsohne. Die Filmemacher nehmen ihn mit auf eine herbstliche Reise in und um den Grand-Teton-Nationalpark in Wyoming, USA. Die Bilder der majestätischen Landschaften, der wilden Tiere, murmelnden Bäche, heißen Quellen und sich im Wind wiegenden Bäume beschwören eine starke Sehnsucht nach der „heilen“ Natur herauf, die größer ist als das individuelle Selbst.

Dabei wird die Illusion einer menschenleeren Natur immer wieder durch Aufnahmen menschlicher Zivilisation durchbrochen. Im Laufe des Films entwickeln die brillanten Aufnahmen einen immer stärkeren Sog. Dominieren anfangs statische, geradezu meditative Einstellungen von Naturansichten, werden die Bilder später abstrakter, der Bildrhythmus schneller, taumeliger. Dieser visuelle Rausch wird von einer ausgefeilten Tonspur verstärkt, die je nach Szene Naturgeräusche, elektronische Klänge oder klassische Arien unterlegt. 

David Abram ist überzeugt: „Wir sind nur menschlich im Kontakt und in Gesellschaft mit dem Nicht-Menschlichen.“ Und so ist BECOMING ANIMAL nicht nur eine intensive visuelle und intellektuelle Anregung, sondern vor allem ein leidenschaftliches Plädoyer für die bewußte Wahrnehmung unserer Welt, in der nicht allein menschliche Maßstäbe gelten sollten.

[ Dörthe Gromes ]

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