D 2017, 102 min
FSK 12
Verleih: Filmokratie

Genre: Dokumentation, Musik

Regie: Christine Franz

Kinostart: 07.09.17

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Bunch Of Kunst

Fuck, Fuck, Fuck

Ein mittelalter Typ auf einer Clubbühne – schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, raspelkurze Haare und ein Gesicht, in dem das Leben bereits tiefe Furchen hinterlassen hat – stößt zu treibendem Elektrosound stakkatohaft ins Mikro: „The Smell Of Piss Is So Strong, It Smells Like Decent Bacon …“

Ein denkwürdiger Einstieg für eine denkwürdige Band. Die Rede ist von den Sleaford Mods aus Nottingham, die seit etwa drei Jahren die britische Musikszene aufrollen und auch hierzulande ihre Fans haben. Die deutsche Musikjournalistin Christine Franz hat den Sänger Jason Williamson, den Soundtüftler Andrew Fearn und ihren Manager Steve Underwood über zwei Jahre lang für ihren Dokumentarfilm BUNCH OF KUNST begleitet. Sie fängt den Moment ein, als die Band ihren Durchbruch in Großbritannien erlebt. Anfangs kurven die drei Underdogs noch mit einem Kleinwagen von Gig zu Gig in kleinen Clubs. Am Ende bringt sie schon ein luxuriöser Tourbus zum größten britischen Musikfestival nach Glastonbury. 

Die Sleaford Mods genießen ihren plötzlichen Erfolg nach jahrelangen Anstrengungen, gleichzeitig ist er ihnen unheimlich. Steht er doch in starkem Kontrast zu ihrer Herkunft und ihrer Musik. „Sie sind die Stimme Großbritanniens“, sagt einer ihrer Fans enthusiastisch. Gemeint ist damit die abgerissene, düstere Seite des Landes, in der viele Menschen durchs soziale Netz fallen, und das Leben ein ständiger Kampf ist. Die Texte der Band in rauhem Mid-England-Slang voller Flüche und Fäkalausdrücke drehen sich um miese Jobs, die Spaltung der Gesellschaft, Überdruß, Selbstekel und Ekel vor der Welt. Eine ungeheure Wut auf die Verhältnisse steckt darin. Beide kennen das, worüber sie singen, aus eigenem Erleben. Williamson bellt und schreit eher, als daß er singt. Seine Auftritte gleichen einer Performance. Währenddessen steht Andrew Fearn abgeklärt daneben und wippt im Takt, dabei hält er meist ein Bier oder eine Zigarette in der Hand. Die rudimentären elektronischen Beats kommen vom Laptop oder aus dem Handy. 

 Formal bleibt BUNCH OF KUNST beim Altbewährten: Konzertszenen wechseln sich ab mit Studioaufnahmen, Autofahrten mit Interviewsequenzen. Die wacklige Handkamera ist stets nah an den Protagonisten, die sehr authentisch rüberkommen. Geschönt und zurechtgebürstet ist hier nichts, weder die Menschen noch die Musik. Genau das macht die Faszination der Sleaford Mods aus.

[ Dörthe Gromes ]

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