Originaltitel: LE SENS DE LA FÊTE

F 2017, 117 min
FSK 0
Verleih: Universum

Genre: Komödie

Darsteller: Jean-Pierre Bacri, Gilles Lellouche, Jean-Paul Rouve, Vincent Macaigne, Alban Ivanov

Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache

Kinostart: 01.02.18

1 Bewertung

Das Leben ist ein Fest

… und dieser Film gleich mit

Jeder im weitesten Sinne Mitarbeiter eines Serviceunternehmens kennt das humane Hindernis: Die Arbeit könnte toll sein, gäbe es nicht besserwisserische, basisfrustrierte, arrogante, sparfuchsige und/oder stark verhandlungsaffine Kunden. Ein die beiden letztgenannten Problemfelder kombinierendes Paar stellt soeben Hochzeitsplaner Max’ Geduld auf zunächst einigermaßen stabile, schließlich gnadenlos zusammenbrechende Prüfstände. Folge: zwei nervige Menschen abgewatscht, Auftrag futsch. Ist aber eigentlich egal, Max durchwandelt nämlich eh ein finsteres Tal – kein Führerschein, Ehe kaputt, die Geliebte drängelt, der Job ödet an.

Kann Schlimmeres passieren? Aber klar, denn jetzt zeigt ein neureicher Bräutigam perfektionistische Eitelkeit, wenn er nicht gerade seinen inneren Zirkusgaul entdeckt und brautjüngferlich unterstützt entrückt übers Grün galoppiert. Weitere potentielle Stolpersteine sind auszugsweise: ein allerhand Angestellte außer Gefecht setzendes Buffet, ein rüpeliger Fotograf oder der sich als verhinderter Eros-Ramazzotti-Verschnitt entpuppende DJ, wobei besagte Verhinderung allen Anwesenden nur zum Vorteil gereicht, irgendwann zu schrecklichem Gehör gebrachte Gesangsproben beweisen es. Ach ja, keinesfalls zu vergessen des Bräutigams Mutter, deren eigene Vorstellung bislang ahnungslosen Menschen gegenüber bereits nachdrücklich auf von ihr ausgehende Gefährdungen hinweist: „Ich bin die Mama!“

Max sieht sich ergo harten Zeiten ausgesetzt, und weil’s dem Zuschauerinteresse dienen mag, darum auf sämtlichen Werbematerialien Erwähnung findet, verweisen auch wir drauf, daß solches Chaos am schönsten Tag einer – hier bloß kurz nebenbei vorkommenden – Frau vom ZIEMLICH BESTE FREUNDE-Regieteam Eric Toledano/Olivier Nakache stammt. Nun besaßen derartige Infos noch nie hohe Aussagekraft, und tatsächlich beschreitet das Duo völlig andere Wege, Sozialkritik oder moralische Botschaften ersetzt der pure Spaß am rasanten Spiel inklusive unablässig prasselnder Dialoge, irren Tempos und bekloppt-genialen Humors. Quasi eine modernisierte Neuauflage klassischer Screwball-Komödien, welche man – ungeachtet manchmal erklärter Pointen, geht überhaupt nicht – vom ersten Augenblick an ins vor lauter Gelächter schwer pumpende Herz schließt und ungern wieder gehen lassen möchte. Unter anderem, da zwar ein ganzes Heer von unterschiedlich gepolten Nerds protagonistische Funktionen übernahm, der Grundton jedoch zumindest ansatzweise realistisch bleibt und zudem sogar die intellektuell am meisten benachteiligte Figur (Stichwort „Stromausfall“) statt höhnisch erlittener Bloßstellung lediglich einen liebevollen Klaps auf den Hinterkopf kriegt. Jener fördert allerdings nicht das Denkvermögen, weswegen der nächste Gag bestimmt kommt.

Trotzdem wären Toledano und Nakache kaum sie selbst, gäbe es nicht inmitten des Gewusels einen melancholischen Ruhepol, einen Anker, so rührend wie rettend ausgeworfen, um mal durchzuatmen. Womit Max seine wichtigste Aufgabe erfüllt. In dessen Körper erträgt der großartige Jean-Pierre Bacri gleichermaßen Steuerbehörden, stete Unbill sowie Emojis, bis endnah ein einzigartiger Höhepunkt Entladung bringt: Max stapft, dicht am Rande des Nervenkollaps’, mit einer Fackel bewaffnet einfach davon. Und wirkt wie ein angesichts unbezwingbarer Windmühlen kapitulierender Ritter von der traurigen Gestalt, Relikt einer aussterbenden Art.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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