Originaltitel: ELLEKTRA

Belgien/D/Holland 2004, 103 min
Verleih: Stardust

Genre: Drama, Thriller

Darsteller: Gert Portael, Catherine Kools, Axelle Red, Manou Kersting, Marie Bos

Regie: Rudolf Mestdagh

Kinostart: 08.09.05

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Ellen Calling – Nachricht vom Schicksal

Verschwende Deine Möglichkeiten

Wie geht man damit um, vor den Trümmern seiner Existenz zu stehen? Das fragt uns dieser Film, während das Schicksal sechs Menschen Übles will: Ein DJ ist plötzlich taub, einer Schauspielerin wird die Zunge abgeschnitten. Ein Parfumeur verliert seinen Geruchssinn, eine psychisch kranke Pianistin die Finger. Ein kleiner Junge, der später Pilot sein möchte, erliegt einer Querschnittslähmung. Und seitdem ihre kleine Tochter starb, ist Sam, eine Frau mittleren Alters, drogenabhängig. Irgendwann trifft sie, von einem Kriminellen erpreßt, auf die 16jährige Ellen, welche es sich unter dem Namen Ellektra zum Ziel gesetzt hat, Verzweifelten neuen Lebensmut zu schenken. Sam findet nicht nur Trost bei Ellen, die einfallsreich Gott spielt und das Geschick aller Beteiligten lenkt, sondern kommt auch Schritt für Schritt hinter das Geheimnis des mysteriösen Mädchens. Doch dadurch beginnt ein gefährliches Spiel mit hohem Preis für beide Frauen ...

Der Verleih ordnet ELLEN CALLING in die Genres "Psychothriller/Neo-Noir" ein, was grundsätzlich stimmt. Doch leider setzt Regisseur Mestdagh falsche Prioritäten – weg von "Psycho" und "Noir", hin zu "Neo" und "Thriller", angereichert mit blutigen Attacken, krampfiger Komik und viel nackter Haut. Sam in den Mittelpunkt zu stellen, ist dabei zwar eine gute Wahl, da die facettenreiche Figur von einer adäquaten Darstellerin zum Leben erweckt wird. Doch alle anderen potentiellen Protagonisten nach ihrem jeweiligen Verlust zu Stichwortgebern zu degradieren, um sie im Finale ebenso wundersam wie wenig überzeugend zu erlösen, hinterläßt schlicht Verärgerung.

Letztlich verschenkt Mestdagh damit die Kraft seiner geradezu genialen Grundidee, um einen modernen Krimi zu drehen, wie es ihn schon unzählige Male gab. Drogenhändler, böse Hintermänner oder korrupte Bullen kennt man nun mal aus dem Effeff. Zu allem Überfluß trägt auch die oftmals ungelenke Inszenierung nicht gerade zum positiven Gesamtbild bei: Es rumpelt an allen Ecken, aus Logiklöchern pfeift kalter Wind, und originell gemeinte visuelle Spielchen sind eher zusätzlicher Sand im cineastischen Getriebe.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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