Originaltitel: INDIGNATION

USA 2016, 111 min
FSK 12
Verleih: X Verleih

Genre: Drama, Literaturverfilmung

Darsteller: Logan Lerman, Sarah Gadon, Tracy Lett

Regie: James Schamus

Kinostart: 16.02.17

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Empörung

Ein zwangsläufiges Verhängnis

Nach AMERIKANISCHES IDYLL kommt innerhalb weniger Monate bereits die zweite Verfilmung eines Werkes von Philip Roth in die Kinos. „Empörung“ ist eines von den weniger bekannten Büchern des amerikanischen Autors, der als ewiger Aspirant auf den Literatur-Nobelpreis gilt.Vielleicht ist es die derzeitige tiefe soziale Verunsicherung in den Staaten, welche die Produzenten zu den Stoffen dieses Autors greifen läßt. Hält Roth doch der amerikanischen Gesellschaft – zumindest ihrem jüdischen Teil – einen schonungslosen Spiegel vor.

EMPÖRUNG führt zurück in die muffigen 50er Jahre. Die Jugendrevolte hat noch nicht begonnen, auf Kommunisten wird erbitterte Jagd gemacht, zudem befinden sich die USA im Korea-Krieg. Vor der Einberufung in die Armee schützt ein Studium. Ein solches nimmt auch der talentierte Markus Messner an einem Kleinstadt-College fern von seiner Heimat Newark auf. Markus ist der vorbildliche Sohn einfacher Eltern, die all ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben in ihr einziges Kind stecken – und ihm damit die Luft abdrücken. Am College konzentriert sich Markus auf sein Studium und seinen Job. Die Zwangsteilnahme am Gottesdienst nimmt er zunächst stoisch hin, obwohl er für sich jegliche Religiosität ablehnt. Er ist ein Einzelgänger und versucht, sich aus allen sozialen Verpflichtungen herauszuhalten. Doch der Wirkung, welche die attraktiven Beine von Olivia Hutton auf ihn ausüben, kann sich Markus nicht entziehen. 

Ein im nachhinein zwangsläufig anmutendes Verhängnis nimmt seinen Lauf. Es resultiert aus individuellen Fehlentscheidungen und dem gesellschaftlichem Klima jener Zeit. Bis sich diese Tragik jedoch entfaltet, nimmt sich der Film von James Schamus doch zu viel Zeit, um anhaltend zu fesseln. Es wurde viel Akribie auf eine authentische Ausstattung verwendet, der Erzählfluß aber gerät darüber immer wieder ins Stocken. Auch bleibt die Hauptfigur lange Zeit recht flach und gewinnt erst gegen Ende Konturen. Markus’ emotionale Blindheit lädt nicht zwingend zur Identifikation ein. 

Was Bildsprache und Dramaturgie angeht, ist EMPÖRUNG solider Durchschnitt. Die Besetzung der Nebenrollen ist mit den erfahrenen Theaterschauspielern Tracy Letts als Rektor und Linda Emond als Markus’ Mutter dagegen hervorragend gelungen. Höhepunkt des Films ist ein Rededuell zwischen dem brillanten Studenten und dem bigotten Rektor, in dem die ganze Verlogenheit der McCarthy-Ära kondensiert.

[ Dörthe Gromes ]

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