D/Slowakei 2017, 100 min
FSK 12
Verleih: Film Kino Text

Genre: Drama

Darsteller: Johanna Wokalek, Hans-Jochen Wagner, Inga Birkenfeld, Andrea Szabová

Regie: Jan Speckenbach

Kinostart: 08.02.18

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Freiheit

Eine Frau in der Krise

Es ist wohl ein Traum, den jeder schon mal geträumt hat: einfach alles hinschmeißen. Weg vom Job, der Familie, den Alltagssorgen. Was im echten Leben kaum umsetzbar erscheint, ist auch für Nora kein leichter Schritt. Sie muß die Tränen zurückhalten, als sie die Tür hinter sich zumacht und ihren Mann und die beiden Kinder zurückläßt. Nur mit einer Handtasche bewaffnet, zieht sie los durch den verregneten Nachmittag, fährt per Anhalter, wechselt Frisur und Klamotten.

Dabei schien ihr altes Leben – wie wir in Rückblenden erfahren – auf den ersten Blick nicht unbedingt schrecklich. Als Anwältin arbeitete sie gemeinsam mit ihrem Mann in einer Kanzlei, nette Kollegen, die Kinder aus dem Gröbsten raus. Glücklich aber, so spielt Johanna Wokalek überzeugend und mit stoischer Miene, war Nora in diesem festgezurrten Leben nicht. Die immergleichen Gespräche mit dem Partner, in einer Beziehung, in der die Luft längst raus war. Also folgen wir der jungen Frau in ihr neues Leben. „Ich bin im Weltgetümmel gestorben“, haucht sie poetisch als Putzfrau in das mausgrau designte Hotelfoyer, in dem sie arbeitet. Jetzt, ohne Verantwortung, reflektiert sie das eigene Ich, das ihr, so scheint es, abhanden gekommen war.

Regisseur Jan Speckenbach bebildert mit seinem Film das Seelenunheil einer wohlhabenden Elite: Saturierte Enddreißiger, die alles haben und doch an sich selbst scheitern. Als hätte Nora jemand gezwungen, diesen Mann zu heiraten, in die schnieke Wohnung zu ziehen und das eigene, durchdeklinierte Leben mit so hohen Ansprüchen zu überfrachten. Und woher kommt eigentlich diese Einsamkeit, die sie verspürt, wenn die Freunde zum Abendessen kommen und die neue Liebelei mit dem farbigen Tennislehrer politisiert wird?

Das, was Jan Speckenbach dann als Freiheit inszeniert, ist durchaus schräg bis grotesk. Da sehen wir Nora, wie sie kichernd mit einer Putzfrau-Kollegin heimlich am Hotelfenster raucht oder sich auf Sexparties rumtreibt, auf denen die Frau zum Objekt degradiert wird. Ist es wirklich das, was sie vermißt hat? Die Erkenntnis am Ende ist leider zu mager, und so bleibt FREIHEIT ein an manchen Stellen überzogenes Wohlstandsdrama, das die Unfähigkeit spiegelt, sein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Das können wir nur alleine, kein anderer ist dafür verantwortlich. Schon gar nicht die Kinder, die wir zurücklassen.

[ Claudia Euen ]

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