Originaltitel: GENTLEMEN BRONCOS

USA 2009, 90 min
Verleih: Fox

Genre: Erwachsenwerden, Schräg

Darsteller: Michael Angarano, Jermaine Clement, Jennifer Coolidge, Sam Rockwell, Mike White, Halley Pfeiffer

Stab:
Regie: Jared Hess
Drehbuch: Jared Hess

Kinostart: 17.06.10

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Gentlemen Broncos

Trash hui, Plagiat pfui

Daß Plagiate im Literaturbetrieb gang und gäbe sind, weiß man sicher nicht erst seit dem Skandal um Helene Hegemann. Doch Benjamin, der junge Held in Jared Hess’ neuer Oddball-Comedy, muß es erst auf die harte Tour lernen. Benjamin ist nicht nur der größte Fan trashiger Sci-Fi-Romane, er schreibt auch selbst welche. Und zwar so inbrünstig, daß seine Mama ihn zu einem Autoren-Workshop schickt, wo Ben sein neuestes Manuskript „Yeast Lords“ beim Schreibwettbewerb einreichen darf.

Chefjuror ist kein Geringerer als Benjamins großes Idol Ronald Chavelier. Der Kultautor befindet sich allerdings inmitten eines Karrieretiefs und hat seit Jahren nichts Gescheites mehr zu Papier gebracht. Da kommt ihm Benjamins abgefahrene Story um Bronco, einen furchtlosen Sternenkrieger mit Höhlenmensch-Frise, gerade recht. Chavelier macht aus Benjamins Geschichte seinen nächsten Hit, und so muß Benjamin zum Kampf David gegen Goliath antreten, um sein geistiges Eigentum zurückzufordern.

Wie schon in seinem Debüt NAPOLEON DYNAMITE betrachtet Hess die schräge Welt eines heranwachsenden Außenseiters im kleinstädtischen Amerika. Allerdings treibt er hier seine Vorliebe für die seltsamen Triebe des schlechten Geschmacks noch mehr auf die Spitze, und mancher würde sagen, darüber hinaus. GENTLEMEN BRONCOS läuft förmlich über vor bizarren Einfällen und grotesken Details. Hess changiert zwischen Benjamins Alltags- und der Romanwelt von „Yeast Lords“, was Ausstattung und Make-up die Bebilderung merkwürdiger Geschmacklosigkeiten in gleich zwei Welten beschert. Ein echter Knochenjob.

Bei all der visuellen Trash-Opulenz gerät die Coming Of Age-Geschichte um Benjamin mitunter etwas zur Nebensache, was gerade in der Mitte zu einigen Durchhängern führt. Diese sucht Hess wiederholt mit einer kräftigen Portion Fäkalhumor zu übertünchen, was dem Film einige seiner schwächsten Momente beschert. Am Ende fängt sich die Außenseitergeschichte aber zum Glück wieder, und Benjamin darf im großen Stil gegen Chavelier triumphieren.

Plagiat zahlt sich nicht aus, heißt damit wohl die Message dieser filmischen Zelebrierung des schlechten Geschmacks. Ein Blick auf die ganz reale Belletristik-Bestsellerliste bis vor kurzem zeigte allerdings, daß es sich im wahren Leben, wie so oft, ganz anders verhält.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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