Originaltitel: GET REAL

GB 1998, 110 min
FSK 12
Verleih: Arthaus

Genre: Schwul-Lesbisch, Liebe, Erwachsenwerden

Darsteller: Ben Silverstone, Brad Gorton, Kate McEnery

Regie: Simon Shore

Kinostart: 14.10.99

Noch keine Bewertung

Get Real – Von Mann zu Mann

Großartiges Regiedebüt über die Angst vor der Liebe und den Mut zur Freiheit

Basingstoke ist nicht gerade der Nabel der Welt. Eher ein konservatives Kaff, was die Umstände für Steven noch verzwickter macht, denn er ist 16 und schwul.

Seine ersten sexuellen Erfahrungen macht er auf der öffentlichen Stadtpark-Toilette. Und dort, wo Steven nie mehr als reine Befriedigung seiner Bedürfnisse erwartet hat, lernt er John Dixon kennen.

Genau der John Dixon, den alle Mädchen an der Schule anhimmeln und den "sex on legs" nennen. John beteuert übereifrig: er und schwul, das geht natürlich gar nicht. Trotzdem interessiert er sich irgendwie für den blassen Steven. Aber John ist stets bemüht, sein cooles Image nicht zu gefährden und trifft sich selten und dann heimlich mit dem als Schwuchtel verrufenen Steven. Doch dann: Heureka! - sie verlieben sich und verbringen die erste Nacht miteinander. Mit unterschiedlichem Glücksempfinden: Während Steven es in die ganze Welt schreien möchte, es aber dann doch erst mal nur seiner besten, etwas molligen Freundin Wendy erzählt, kann John noch nicht akzeptieren, was er ist: schwul. Ja, und richtig heftig beginnt sich das Emotionskarussell zu drehen, als Jessica , ein Mädchen von der Schulzeitung, sich in Steven verliebt, sein anonymer Coming Out -Aufsatz der Zensur des leicht verspannten Schuldirektors zum Opfer fällt und seine Eltern herausfinden, daß es keine Drogen sind, die ihren Zögling so verändern.

Vielen Dank Simon Shore, für diese wunderbar stilsichere, cineastische Glückspille. Der Begriff feel good movie beschriebt nur teilweise, was dieser Debütfilm vermag. Er schickt uns auf eine Reise der Emotionen, läßt uns mit unseren Tränen allein, wenn John und Steven auf der Schul-Disco, beide mit engumschlungener Tanzpartnerin, zu Joe Cockers "You are so beautiful" ängstlich und voller Begierde flehende Blicke tauschen und macht uns so stolz auf Steven, als er mit einem theatralischen Paukenschlag die Heimlichkeit aufgibt. Simon Shore zeichnet seine Figuren verblüffend realistisch, bringt uns ihre Zerrissenheit, ihren Witz und ihre Kraft fast körperlich nahe. Hände ringen, daß dieser bezaubernde Film nicht ins Nischenkino fällt.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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