Originaltitel: MOTHER!

USA 2017, 122 min
FSK 16
Verleih: Paramount

Genre: Psycho, Thriller, Horror

Darsteller: Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Michelle Pfeiffer, Ed Harris, Domhnall Gleeson

Stab:
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Darren Aronofsky

Kinostart: 14.09.17

8 Bewertungen

Mother!

Ausgebuhte Eigenständigkeit – Aronofsky träumt fiebriger denn je

Abseits von OSCAR, Golden Globe & Co. werden die nicht medienträchtigen, dafür interessanteren Filmpreise verliehen: Beispielsweise ist es der Alliance Of Women Film Journalists ein Anliegen, jährlich den ungeheuerlichsten Altersunterschied zwischen dem Hauptdarsteller und der für ihn schwärmenden Dame zu prämieren. Bei den Golden Schmoes Awards hingegen können sich Darstellerinnen über Anerkennung für „Best T&A“ (was „Tits & Ass“ bedeutet) freuen. Außerdem gilt es dort, als „Trippiest Movie Of The Year“ abzusahnen – ergo der Film, dessen Ansicht am meisten das Gefühl vermittelt, unter Einfluß halluzinogener Substanzen zu stehen. Anno 2017 gibt’s da schon jetzt einen ganz klaren, unerreichbaren Sieger: Was zum Teufel hat Darren Aronofsky eingepfiffen, um MOTHER! zu ersinnen?!

Angeblich nichts, stattdessen bekundet er, das Werk „floß aus mir heraus“, was erst mal keine schönen Bilder im Kopf hervorruft, aber paßt, denn MOTHER! hat regelrecht gefühlte organische Qualitäten, was Nasses, Glitschiges – und nicht nur, weil in den Wänden eines pompösen Hauses etwas pumpt, pulsiert, wie ein Herz. Selbiges Domizil durchstreift ein Schriftsteller, analog zu allen anderen Figuren ohne Namen, ruhelos, von der gefürchteten Schreibblockade gequält. Seine Gattin versucht unterwürfig, ihm Heim und Leben zu verschönern, darüber hinausgehende Aufgaben: Fehlanzeige. Plötzlich klingelt’s an der Tür, ein Fremder steht davor, outet sich als Fan des Dichters, dieser – stark geschmeichelt – bittet ihn herein. Soll er über Nacht bleiben! Es läutet erneut, die jedem Flachmann zugewandte und sehr besitzergreifende Frau des Unbekannten begehrt Einlaß. Oder besser: Sie rauscht einfach rein.

Nun folgt vermeintlich klassische Home Invasion, wobei die Damen dominieren: Jennifer Lawrence in naiver, fast anrührender Verteidigung der sorgsam aufgebauten Bleibe versus Michelle Pfeiffer mit purer Bosheit im Herzen. Pfeiffer bereitet es offensichtlich höllische Freude, jenes die jüngere Kollegin quälende Psychospiel, ein Stakkato abschätziger Blicke, verletzender Verbalspitzen, kaum unterdrückter Feindseligkeit und wuchtig attackierender Arroganz. Dann wird’s wegen weiterer eintreffender Besucher ungebetener Art unvermittelt immer enger in der weitläufigen Hütte, erstmals spritzt Blut …

Auf Publikumsseite bedeutet das zunächst spannende Unterhaltung, abgesehen von kleineren Stolpersteinen wie dem Schönheitsreparaturen wohl selbst vornehmenden Haus indes eher konventionell. Es kommt tatsächlich der Augenblick einer unangenehmen gedanklichen Frage: Hat Aronofsky etwa die unerbittliche Konsequenz eines BLACK SWAN oder gerade REQUIEM FOR A DREAM verloren? Nein, es steht ja einleitend bereits da, er hat’s drauf, und zwar richtig. Versprochen: Was ab ungefähr der Hälfte geschieht, wurde so noch nie über die Leinwand gejagt. Derart absurd und grotesk geht es zu, daß wir, unvorbereitet mit einer Steigerung nach der nächsten sowie extremen Überhöhungen am laufenden Meter konfrontiert, gar nicht wissen, was eigentlich erwartet wird. Sollen wir uns fürchten? Versuchen, das Dauerfeuer brüllenden Wahnsinns zu zerlegen, zu interpretieren, um Halt bei logischen Deutungen zu finden? Oder zunehmend hysterisch lachen und hoffen, jemals wieder gesund und munter das Licht außerhalb des Kinosaals zu sehen? Führt uns Aronofsky hier in die finstersten Untiefen der Seele, die erniedrigenden Grausamkeiten einer Paarbeziehung und Auswüchse der modernen Gesellschaft – oder bloß fies an der Nase herum?

Auf jeden Fall scheren ihn bedeutungslose Vokabeln à la „Realität“ oder „Humanität“ einen – siehe oben – feuchten, blubbernden Kehricht. Erst entartet die Liebe, auf dem Fuße folgt der komplette Film, keine Sicherheit nirgends. Rücksichtnahme auf aus Moralbegriffen zusammengerührten guten Geschmack, Sehgewohnheiten, zerfetzte Nerven und zersetzten Verstand? Pah! In solchen Kategorien denkt Aronofsky nicht (länger), weshalb MOTHER! auch kein Meisterwerk sein kann, zu geerdet scheint die Bezeichnung. Aronofskys vielerlei geistiges Porzellan zertrampelnder Elefantengrazilität schlug bereits unverhohlene Mißstimmung entgegen – Buhrufe in Venedig, grauenhafte Kritiken. Klar, Freundschaften knüpft die komplett irre Mutti derzeit wenige. Trotzdem schafft es die vergehende Zeit bestenfalls, MOTHER! irgendwann zu rehabilitieren und den verdienten Status zu verschaffen: als perfekt inszeniertes, grandios gemimtes sowie (primär!) sämtliche Vergleiche böse grinsend abschüttelndes Stück Einzigartigkeit.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen:

1 Meinung zur Rezension oder zum Film

[ 19.09.17, 22:34:50 – Marion ]
Ich schließe mich den Buuhrufen von Venedig an. Wie können sich nur solche grandiosen Schauspieler für ein derart unstimmiges Drehbuch hergeben? Ich bin noch immer fassungslos ob dieser Absurditäten, soviel Pilze kann kein Mensch essen, das so etwas dabei rauskommt 🤢




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.