D 2004, 87 min
Verleih: Stardust

Genre: Tragikomödie, Erwachsenwerden

Darsteller: Milan Peschel, Sebastian Butz, Stephanie Charlotta Koetz, Christian Große, Peter Tschernig

Stab:
Regie: Robert Thalheim
Drehbuch: Robert Thalheim

Kinostart: 05.05.05

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Netto

Vater, Sohn und heiliger Country

Professor Rosa von Praunheim empfahl seinen Babelsberger Regiestudenten zu "drehen, drehen, drehen." Robert Thalheim ist dem Rat gefolgt. Sein Kinodebüt, verwirklicht auf Digital-Material und mit minimalem Budget, bekam den Jury-Preis "Perspektive deutsches Kino" der diesjährigen Berlinale. Diese "Perspektive", zur Zeit eingenommen von vielen jungen Regisseuren, sucht und findet Themen vor allem vor der eigenen Nase. Nahaufnahmen also statt Fernreisen in Panorama-Bildern.

So bekommt man plötzlich Leute wie diesen Marcel Werner in den Blick, ein heißer Anwärter auf Arbeitslosengeld 2, 3 oder 178, dessen Lebensgeschichte noch nicht mal den Mann vom China-Imbiß interessiert. Das Experiment mit der Ich AG hat er erfolglos hinter sich gebracht, Sicherheitsexperte und Personenschützer ist, na ja, wäre er gern. Von vor der Wende stammt Marcels Verehrung für den Ost-Country-Sänger Peter Tschernig. Baujahr’ 89 ist sein Sohn Sebastian. Und der steht nun vor der Tür - weil er keine Lust auf den schnieken Freund seiner Mutter, das Kind in ihrem Bauch und das Zimmer unterm Dach hat.

In ruppigen, teils verschwommenen Bildern, mit denen dieses Kino der Nähe wohl leben muß, inszeniert Thalheim eine Erziehungsmaßnahme unter umgekehrten Vorzeichen. Sebastian wird zum unnachgiebigen Mentor seines Vaters, erklärt ihm, wie eine ordentliche Bewerbung, wie überhaupt ein ordentliches Leben auszusehen hat. Die staubtrockene Komik dieser Schieflage entsteht vor allem aus der Improvisation. Brillant bewältigt das Sebastian Butz als Teenager-kluger Sohn, der hier auch noch eine erste Liebe samt verbaler Fettnäpfe meistert. Er und seine Filmfreundin, die der Regisseur gegen Ende allerdings ziemlich aus den Augen verliert, sorgen für die eindrücklichsten Szenen. Zu überzeichnet und durchdekliniert wirkt dagegen der Vater, dem man eher den Bohemien als den entmutigten Biertrinker anzusehen meint.

Engagiert ist diese ganz der Wirklichkeit verpflichtete Erkundung gesellschaftlicher Erosionen allemal. Erfrischend aber ist sie dort, wo man den Boden der Tatsachen wenigstens kurz verlassen darf - wenn sich nämlich Peter Tschernig als eine Art Engel des Ostens höchstselbst die Ehre gibt.

[ Sylvia Görke ]

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