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Nine

Schönheit ist männlich

Abwegig oder naheliegend? Ein Fellini-Musical. Getanzte fellineske Träume. Geträllerte Gedanken zwischen Restbeständen aus Realismus, Zirkuspoesie und Kinomagie: Guido Contini ist ein Regiestar. Der beste Filmemacher aller Zeiten. Na ja, zumindest in jenen 60er Jahren, die NINE in Grandezza und Eleganz auferstehen läßt. Als Epoche reinen Stils, zu der Contini das cineastische Abbild als artistischen Spagat zwischen großer Kunst und Publikumsbeliebtheit liefert. Contini ist ein Kinomagier. Ein Verführer, Poet und ein verdammt schöner Mann. Dazu gleich noch etwas.

All die Gaben jedenfalls nützen Guido nichts – der Meister hat eine Krise. Ein Heer von Technikern und Schauspielern – von den Produzenten ganz zu schweigen – wartet darauf, daß der Regisseur den Startschuß gibt für die Dreharbeiten an seinem neuen Film, dessen Skript noch keiner las, dessen Geschichte noch keiner kennt. Weil es keine Geschichte gibt. Contini ist leer. Und er flieht. In Erinnerungen an die Frauen seiner Vergangenheit und in Amouröses, mit den Frauen seiner Gegenwart.

NINE ist eine zitatenreiche Bespiegelung von Fellinis ACHTEINHALB, in dem Fellini wiederum sich einst selbst als Regisseur in der Krise spiegelte. Die halbe Stufe, um die NINE das nun erweitert, ist eine musikalische. Interessant ist, daß dabei unter der Regie von Rob Marshall (DIE GEISHA, CHICAGO), einem Spezialisten für Kostüme, Dekors und vor allem Showtreppen, der Film immer dann großartig wird, wenn die Showtreppe mal nicht bespielt wird und Kostüme und Dekors eben sind, was sie sind. NINE bohrt sich dann erstaunlich tief ins Universum eines Regie-Genies hinein. Wird Melodram und Kammerspiel. Wird ein Schauspielerfilm. Gut, reden wir nicht von Kate Hudson oder Stacy Ferguson. Die bleiben Staffage, hübsch anzusehen und anzuhören. Auch Nicole Kidman gab schon mehr her. Aber was das restliche Frauen-Ensemble angeht, feiert NINE das Weibliche in allen Charakter- und Altersfacetten, hinter denen die schönsten Interieurs zur Film-Papp-Kulisse verblassen.

Und doch muß dabei hier eben vor allem eins noch gesagt werden: Über all dem schwebt ein Mann. Charismatisch, stilvoll, schön. Und es scheint, als würden seine wunderbaren Schauspiel-Kolleginnen in NINE Daniel Day-Lewis (Contini) das nicht nur neidlos, sondern mit gelassen selbstverständlicher Größe zugestehen.

Originaltitel: NINE

USA 2010, 118 min
FSK 12
Verleih: Senator

Genre: Musikfilm, Drama, Biographie

Darsteller: Daniel Day-Lewis, Penélope Cruz, Marion Cotillard, Nicole Kidman, Judi Dench, Sophia Loren, Kate Hudson

Regie: Rob Marshal

Kinostart: 25.02.10

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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