Originaltitel: OSAMA

Afghanistan/Irland/J 2003, 83 min
Verleih: Delphi

Genre: Drama

Darsteller: Marina Golbahari, Mohmmad Arif Herati, Mohmmad Nadre Khwaja, Zubaida Sahar

Stab:
Regie: Siddiq Barmak
Drehbuch: Siddiq Barmak

Kinostart: 05.02.04

Noch keine Bewertung

Osama

Eine Mädchenseele gegen die Taliban

Auch wenn das Marketing es noch so oft und einprägsam wiederholt - nochmals sei es erwähnt: Dieser Film hätte bis vor kurzem, unter dem Regime der Taliban, einfach nicht gemacht werden können. So kann es nicht wundern, daß er nicht nur eine düstere Zeit mit ihrer religiös gerechtfertigten Willkür in einem einzelnen Schicksal spiegelt und aufarbeitet. Er rechnet auch ab mit den gestürzten Despoten.

Mit den Mitteln der Poesie und unter Anrufung des Mitgefühls der Zuschauer erzählt Regisseur Barmak, wie eine Mutter ihre zwölfjährige Tochter als Junge verkleidet, um so die strengen Regeln der Taliban zu umgehen. Nur in Begleitung eines Mannes aus der Verwandschaft dürfen Frauen das Haus verlassen. Für die vielen Witwen ist es so fast unmöglich, einer Arbeit nachzugehen und damit zu überleben. Die Großmutter schneidet ihr das Haar kurz, ein Freund des gefallenen Vaters läßt sie in seinem Laden arbeiten, ein quirliger Straßenjunge gibt ihr den neuen Namen: Osama. Vorerst ist das Geheimnis bei dem neuen Freund gut aufgehoben. Doch dann wird Osama mit all den anderen Jungs in die Koranschule gesteckt und kann nicht lange standhalten - ihr weiblicher Körper ist der Verräter.

"Hätte Gott doch nur keine Frauen erschaffen." läßt Barmak die verzweifelte Mutter einmal sagen. Und doch handelt sein Film vor allem von der Sehnsucht eines Mädchens, genau das, ganz gemäß dem Klischee sein zu dürfen: Seilspringen, Zöpfe tragen. Immer wieder beschwört

Barmak diese schlichten Symbole für eine verleugnete Identität, läßt sie in Traumbildern vorüberziehen, die dann um so härter an der Realität der Schariah zerplatzen. Die Todesstrafe bleibt Osama erspart - man könnte auch sagen verwehrt. Sie wird gezwungen, die Frau eines alten Mullah zu werden.

Natürlich berührt diese Geschichte. Dennoch kann Barmaks ganz auf Emotionen bauender Ton nicht immer überzeugen - zu genau kennt man diese Strategie aus den Filmen aller Herren Länder. Schade auch, daß die deutsche Synchronisation in ihrer Flapsigkeit eher stört als hilft.

[ Sylvia Görke ]

Lesezeichen: