D 2012, 91 min
FSK 0
Verleih: Movienet

Genre: Drama

Darsteller: Susanne Lothar, Stefanie Stremler, Michael Kind

Stab:
Regie: Hanna Doose
Drehbuch: Hanna Doose

Kinostart: 31.01.13

2 Bewertungen

Staub auf unseren Herzen

Intensive filmische Familienaufstellung

Es ist viel gesagt worden über die ungeheure darstellerische Kraft Susanne Lothars, die im Sommer 2012 überraschend verstorben ist. Hanna Dooses Debütfilm läßt dieser Kraft sehr viel Raum. Lothar spielt hier ihre letzte große Rolle und gibt eine Mutter, die mit ihrer erwachsenen Tochter in ein unheilvolles und doch alltägliches psychologisches Katz-und-Maus-Spiel verstrickt ist. Ihre Tochter Kathi ist 30 und lebt als alleinerziehende, erfolglose Schauspielerin in Berlin. Die Mutter, eine erfolgreiche Psychologin, kann es nicht lassen, Kathi ständig vorzuhalten, was sie alles falsch macht. Doch dicht unter der verständnisvollen Mutter-Oberfläche lauert eine verletzte, unglückliche Frau, die es einfach nicht ertragen kann, daß ihre Tochter zaghaft beginnt, ihr eigenes Leben zu leben.

Der Lothar gegenüber spielt Stephanie Stremler mit der ihr eigenen, extrem verlangsamten Grandezza, die sie bereits in DIE SPIELWÜTIGEN aus dem Ensemble der hyperaktiven Selbstdarsteller herausragen ließ. So eckig und ungelenk sie wirkt, so entschieden geht sie in ihrer Rolle ihren Weg. Dabei gelingt es Stremler, Kathi in all ihrer Verletzlichkeit gleichzeitig spontan und stoffelig wirken zu lassen. Wenn sie den selbst verfaßten Song „Staub auf unseren Herzen“ mit brechender Stimme zur Gitarre intoniert oder in Castings verzweifelt (und erfolglos) versucht, einen Sinn in den ihr zugedachten Rollen zu finden, dann läuft es einem mehr als einmal kalt den Rücken herunter.

Wir werden Zeuge einer Entblößung. Stephanie Stremlers Kathi ist alles andere als hip und smart, sie ist unsicher, langsam und linkisch, aber sie steht zu sich selbst. Ob diese wirklich atemberaubende Charakterzeichnung auf das schauspielerische Vermögen Stremlers zurückzuführen ist, oder ob sie sich hier einfach selbst spielt, bleibt offen und spielt streng genommen auch keine Rolle. Fest steht, daß es ein großes Kino-Erlebnis ist, ihr und Susanne Lothar dabei zuzusehen, wie sie mit sparsamen Gesten und ohne viele Worte familiäre Untiefen ausloten.

Hanna Doose, die schon in ihren famosen Kurzfilmen immer wieder bewiesen hat, daß sie eine Regisseurin ist, die auf die Intuition ihrer Darstellerinnen vertraut, hat hier eine Paarung zusammengestellt, die den Film mit der Kraft zweier unterschiedlich gepolter Herzen sehr weit trägt.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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