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Vergebung

Lisbeth Salander findet Ruhe

„Du bist gekommen, um mich zu töten“, so echot es aus dem Mittelteil der Verfilmung der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson herüber. Wir befinden uns im Sahlgrenska-Krankenhaus zu Göteborg, wo die erschossene, erschlagene, quasi mehrfach ermordete Lisbeth Salander von den Toten wiederauferstanden ist, um die letzte Runde im Kampf gegen einen aus den Fugen geratenen Geheimbund im Zentrum der schwedischen Staatsgewalt einzuläuten. Kaum einen Axtstiel entfernt verarztet man ihren bösartigen Vater, auf dessen Ableben sie doch so viel Energie verwendet hatte. Nun bringt ein anderer die Arbeit zu Ende – ein geheimnisvoller Greis namens Evert Gullberg, der sich rätselhafterweise gleich mit aus dem Leben expediert. Mikael Blomkvist, der unbestechliche Journalist mit Weltretterambitionen, ermittelt ...

Mindestens mit dem Abschluß seines Roman-Dreiteilers um ein hochbegabtes Mädchen im Visier staatlicher Macht- und Geheimnisspiele hat Larsson seinen filmischen Nachlaßverwaltern ein schwieriges Erbe übertragen. Die Nebengeschichten sind gewuchert, das Figurenarsenal ist bis zum Überschwappen voll. Aus dem Frauenschänderthriller ist ein Journalistenkrimi ist ein Familiendrama ist ein Spionagemärchen ist endlich eine Verschwörungsphantasie von enormen Ausmaßen geworden. Redlich bemüht sich Regisseur Daniel Alfredson darum, uns die Übersicht zu erhalten. Er arbeitet mit gewagten Verkürzungen, abgeschnittenen und provisorisch neuverknüpften Handlungsfäden, Rückblenden und Vorgriffen, um das Großunternehmen „Larsson“ so ordentlich zu Ende zu bringen, wie es sein Vorgänger Niels Arden Oplev begonnen hatte. Jedoch, der Zauber der ersten Begegnung mit Lisbeth und Mikael, ob nun im Buch oder im Film, will sich nicht wieder einstellen.

Es mangelt an Konzentration auf ein erzählerisches, ein atmosphärisches Zentrum. Es fehlen das Knistern der privaten Verwicklungen und schließlich die Chuzpe, Larsson die Gefolgschaft auf Nebenschauplätze zu verweigern. Denn wo der Roman sich alle Seiten der Welt nehmen kann, um verlorene Maschen immer wieder aufzunehmen, sitzt dem Film die Zeit im Nacken.

Und selbst wenn man wie Alfredson in dieser Hinsicht so kräftig aus dem Vollen schöpft – mit Masse ist der Klasse des unbestrittenen Triathlon-Siegers VERBLENDUNG nicht das Wasser zu reichen.

Originaltitel: LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES

S 2009, 146 min
FSK 16
Verleih: NFP

Genre: Literaturverfilmung, Drama, Thriller

Darsteller: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Lena Endre, Sofia Ledarp

Regie: Daniel Alfredson

Kinostart: 03.06.10

[ Sylvia Görke ]