Originaltitel: AUTOREIJI, AUTOREIJI BIYONDO, AUTOREIJI SAISHU FUMI

J 2010-2017, 352 min
Label: Capelight

Genre: Drama, Thriller, Gangster

Darsteller: Beat Takeshi

Regie: Takeshi Kitano

Outrage-Trilogie

Was wurde nicht alles geschimpft, als 2010 der erste Teil von Takeshi Kitanos Yakuza-Trilogie in Cannes lief: Gewalt als Selbstzweck, Handlungsrahmen marginal, Typen schablonenartig! Was wurde nicht alles übersehen von den eifrigen Kritikern: dieses schöne, schleifenartige Erzählen von brüchigen Brüderschaften, die sich beim Sake ewige Treue schworen, und wenn plötzlich alles nicht mehr zählt, weil verletzte Eitelkeit und überbordende Gier übernehmen.

Oder diese feinpinselige Stimmungsmalerei, wenn Kitano von zunehmender Bedrohung fabuliert, wenn er die edlen Mafia-Karossen auf menschenleeren Straßen kurven läßt, wie einst im Western die Pferde mit den Halunken auf dem Rücken in die mit Gold gefüllten Städte trabten. Oder den gallebitteren Humor, der oft durchblitzt, schon, weil es bei Kitano, zumindest dem nun älteren Filmemacher, gar nicht anders sein kann. Das haben die eifrigsten unter den Filmwächtern tatsächlich übersehen, wobei man anmerken muß, daß es gerade in Deutschland kaum Gegenstimmen geben konnte, weil es keinen regulären Kinostart und somit auch kein aufgeschlossenes Publikum gab.

Interessierte haben nun die Möglichkeit, sich ein umfassendes Bild zu machen, weil OUTRAGE erstmals in Kombination mit den Fortsetzungen aus 2012 und 2017 in einer Box erscheint. Für Zartbesaitete läßt sich voranstellen, daß die teils exponierte Gewalt in den Sequels gemäßigter wird, was dem Eintauchen in dieses bizarre, von Codes und Säbelrasseln geprägte Unterwelttreiben der japanischen Mafia zuträglich ist. Ganz ähnlich wie in Kitanos Frühwerk gibt es einen profunden Blick in Strukturen, auf die Verwicklungen der verschiedenen Clans, wobei eine gewisse Unübersichtlichkeit für den europäischen Zuschauer programmiert ist. Kitano kann von den üblichen Ehrerweisungen und Opfergaben wie das Abschneiden des kleinen Fingers nicht lassen, geht aber wesentlich weiter im Aufzeigen einer selbst unter Edelgangstern brüchigen Moral.

Kitano spielt den Yakuza Otomo, der im Filmverlauf für wechselnde, irgendwie miteinander verbundene Clans agiert, und gerade mit dieser Figur ist es ihm gelungen, eine gewisse Normalität zu illustrieren, die damit einhergeht, wenn Killer älter werden, der ohnehin schlurfende Gang Kitanos zu einem einzigen Schleppen wird, sich Sehnsüchte nach Ruhe zeigen, und wie eben doch Stolz und Wut die unverzichtbaren Zutaten eines letzten Feldzuges bleiben.

Die Verkettungen zwischen Mafia und Staat, zwischen Killern und Polizei sind perfide, da kommt man aus dem Staunen kaum raus. Staunen läßt sich auch, wenn Kitano immer wieder Szenen entwirft wie jene, in der Otomo einen ganzen Clan im Rahmen einer Feierlichkeit ins Jenseits ballert. Das ist nicht nur ganz großes Ballett, es ist auch schön.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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