D 2012, 90 min
FSK 12
Verleih: Zorro

Genre: Komödie

Darsteller: Karim Saleh, Navid Akhavan, Julie Engelbrecht

Regie: Ali Samadi Ahadi

Kinostart: 05.12.13

1 Bewertung

45 Minuten bis Ramallah

Bruderzwist in wackligen Höhen

Man kann gut verstehen, daß Rafik keine Lust auf die alte Heimat und seine Familie hat. Lebt die doch in Ostjerusalem und ist so nervenaufreibend, wie es Familien nur sein können. Weshalb sich Rafik auch ganz wohlfühlt, fern der Heimat. Und selbst wenn die Figur, die Rafik in Berlin macht, nicht wirklich die glücklichste ist, so ist das Schlitzohr aus Nahost doch lieber hier im kalten Deutschland in der Bredouille, als dort geborgen im Schoß der Familie. Die dann allerdings doch einen Besuch einfordert. Bruder Jamal heiratet, und da hilft kein Sträuben – bald ist Rafik inmitten der aufgekratzten Familie und im Streit mit seinem Vater. Eigentlich alles wie immer, nur daß den Patriarch beim Schlagabtausch der Schlaganfall ereilt. Womit Rafik, wenn auch nur indirekt, zur Hochzeit des Bruders den Tod des Vaters verursacht. Allerdings fangen die richtigen Probleme damit erst an.

Ali Samadi Ahadis 45 MINUTEN BIS RAMALLAH ist ein Film über das Kunststück, durch politisches und familiäres Minengebiet zu tänzeln. „Eine freche Nahost-Satire“, so wird verkündet. Schwarzer Humor versprochen. Und natürlich ist all das im Grundstock der Geschichte vorhanden, wenn sich Rafik und Jamal mit der Leiche des Vaters im Kleintransporter zu einer Fahrt nach Ramallah aufmachen, um dem alten Herrn den letzten Wunsch zu erfüllen: nämlich in palästinensischer Heimaterde begraben zu werden. Doch was rein geographisch eine 45-Minuten-Autofahrt wäre, gerät zur Odyssee. Ob der politischen Klippen – und der kriminellen Energie einer hübschen Blondine. Ein Erzählpodest, auf dem sich fortan die absurden Situationen und haarsträubenden Wendungen in wacklige Höhen stapeln. Nur daß das Aberwitz-Potential nie wirklich witzig wird. Was nicht am bösen Satirebiß liegt, sondern daran, daß genau der vorrangig in einer etwas kumpelhaften Art lediglich zwackt. Ein Film als putziger Wadenbeißer, der eigentlich nur spielen will. Wie auch der schwarze Humor letztlich irgendwie in freundlichen Farben, wenn man so will, milde mediterran leuchtet.

Mißlungen ist 45 MINUTEN BIS RAMALLAH dennoch nicht. Die durchaus rührende Geschichte zweier Brüder, deren Gegensätzlichkeit sich schon in den Farben ihrer Jacketts manifestiert, und die lernen müssen, daß sie eben doch Brüder sind und sich zusammenraufen müssen, um aus dem Schlamassel herauszukommen, mag als Metapher auf den israelisch-palästinensischen Konflikt platt sein. Einer gewissen Wahrheit entbehrt das freilich dennoch nicht.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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