Originaltitel: BEAU TRAVAIL

F 1999, 90 min
Verleih: Alamode

Genre: Drama, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Denis Lavant, Grégoire Colin

Regie: Claire Denis

Kinostart: 21.06.01

Noch keine Bewertung

Beau Travail

Homoerotischer Selbstbefreiungsschlag

Der Mann ist verhärmt, vernarbt und voller Sehnsucht. Sehnsucht nach den warmen Wüstenwinden, nach seinen Kameraden, seiner Legion. Nach Kontrolle. Adjutant Galoup war ein Musterbeispiel von Legionär. Vaterlands- und Stabstreue bis zur Selbstaufgabe.

Er war seinem hochgeschätzten Kommandanten treu ergeben. Widerspruch war für ihn der Inbegriff von Torheit. Obwohl Galoup stets als sonderbar, als er sei nicht aus Fleisch und Blut betrachtet wurde, brachten ihm seine Untergebenen Respekt, Gehorsam und gar Wärme entgegen. Galoup sitzt jetzt im trüben Marseille und vermißt die Sinnlosigkeit jener Zeit. Eine Zeit, in der er und sein Trupp in der Einöde Krieg simulierten und hin und wieder sogar Nützliches taten: sie besserten Straßen aus. Doch neben verklärter Nostalgie und schmerzlicher Leere macht Galoup eins zu schaffen: Schuld! In Eifersucht, im Gefühl der Unrechtmäßigkeit hat er einst den jungen Legionär Gilles Sentain mit unlösbarer Mission in den todbringenden Wüstensand getrieben. Seinen Kommandanten wollte er nicht teilen, mit niemandem...

Epische Bilder, faszinierende Stille und eine bedrückende Stimmung des Verlorenseins und der Einsamkeit machen diesen eigenwilligen Film zum außergewöhnlichen Erlebnis. Claire Denis ist geschickt genug, Andeutungen statt gewalzter Erklärungen wirken zu lassen. Durchtrainierte, von der unbarmherzigen Sonne gegerbte Jungmänneroberkörper inszeniert sie aus dem Blickwinkel Galoups. Im Kampf wird sich umarmt, Hände werden ernsthaft aber sanft gedrückt, alles unter Kenntnisnahme des gezeichneten Adjutanten. Homoerotische Impressionen, aber bei Denis glücklicherweise kein Versuch, Statuen zu kultivieren. Keine Endlosquatschereien, die Männer kommunizieren über Blicke. Worte würden ohnehin nichts ändern. Am Ende tanzt sich Galoup die Beklemmung der verlorenen Zeit aus dem Leib. Einen schöneren Selbstbefreiungsschlag gab es im Kino sehr lange nicht.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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